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Statue der heiligen Walburga in der Kirche zu Contern

Die Walpurgisnacht ist ein traditionelles europäisches Fest am 30.April

Der Name Walpurgisnacht leitet sich wahrscheinlich von Walpurga (auch Walburga oder Walpurgis) ab, einer Äbtissin aus England (710-779). Der Gedenktag dieser Heiligen wurde im Mittelalter am 1. Mai gefeiert (heute 25. Febr.). Die Äbtissin wird dargestellt mit schwarzen Benediktinerhabit, mit Stab, Regelbuch, Ölfläschchen, drei Ähren in der Hand, weil sie ein Kind vom Hungertode erretete.

Mythologisch findet die Walpurgisnacht (ähnlich dem keltischen Fest Beltane) als Mondfest in der Nacht des ersten Vollmondes zwischen der Frühjahrstagundnacht- Gleiche und der Sommersonnenwende statt. Traditionell gilt jedoch die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai als die Nacht, in der angeblich die Hexen ein großes Fest abhalten. Spätestens ab den Hexenprozessen des 16. und 17. Jahrhunderts tritt das Motiv der Teufelsverehrung hinzu.

Die letzte Nacht im April ist eine Frei– oder Losnacht . In der gefürchteten Nacht zum 1. Mai trieben, der Sage nach, die Hexen und Druden ihr Unwesen. Früher ließ der weitverbreitete Aberglaube die Menschen vor ihnen zittern. In der Walpurgisnacht wurden deshalb auf Feldern und Anhöhen die „Hexenfeuer“ entzündet, um so die letzten Winterdämonen zu vertreiben. In dieser Nacht unternahmen sie nach altem Volksglauben einen letzten Versuch, den Einzug des Frühlings zu verhindern. Und so kam es, dass sich die Menschen vor diesen bösen Mächten zu schützen versuchten. Zur Abwehr der Hexen streute man geweihtes Salz auf die Türschwelle. Besonders geeignet schien, um jeglichen bösen Zauber fernzuhalten, der Besen. Deshalb stellte man ihn mit dem Reisig nach oben an die Mauer, damit sich daran die Hexe verfangen konnte. Man war auch überzeugt, dass ein Besen, der in der Walpurgisnacht nicht aufgeräumt wurde, der Hexe zum Reiten diente.



Hermann Hendrich : Hexentanz, Aus der Walpurgishalle

Die auch heute noch in weiten Teilen Deutschlands gefeierten Hexenfeuer gehen mutmaßlich auf diese Tradition zurück. Mit der sehr rigoros gehandhabten Christianisierung nicht nur in Deutschland wurden diese alten Bräuche als heidnisch verdammt, die ursprüngliche, nach Ansicht einiger Forscher auf matriarchalische Gesellschaftsstrukturen zurückgehende Bedeutung ging verloren und in harmlos-ländlichem Jugendbrauchtum auf.

Über die Walpurgisnacht schreibt Franziska Hager unter anderem :

Der Mesner hatte zuvor beim Betläuten die hexenbannende Wetterglocke geläutet. Die Bäuerin warf geweihten Palm ins Herdfeuer. Das Drudenkraut, das an die Stalltüre genagelt wurde, war ein Bärlappkranz, der aus einer einzigen Ranke gewunden sein musste. In der Schlafkammer schwebte von der Decke die „Unruh“. Dieser Hexenkranz ist ein Vorläufer der heute modernen Mobile. An ihnen hingen früher einmal nur Druidensterne. Diese Art war jedoch bei uns nicht bekannt. Die „Unruh“ schützte gegen den „Kram“, den durch die Drud verursachten Krampf, den wir als Alpdruck kennen.

Viele der Bräuche bei Frühlingsfesten ranken sich um junge Paare, die symbolisch für die menschliche Gemeinschaft stehen. Der Gang zwischen zwei Walpurgisfeuern soll reinigen und Seuchen fernhalten (Walpurgis gilt als Schutzheilige gegen Pest, Husten und Tollwut).
Weiter schreibt Franziska Hager :

Der Schnappen bei Marquartstein galt früher in der Walpurgisnacht als „Brautschauberg“. Junge Leute stiegen in dem Glauben zu ihm auf, hier oben ihre künftige Frau zu treffen. Um diesen Brauch verstehen zu können, muss man sich in die verkehrsarme Zeit des vorigen Jahrhunderts zurückversetzen Mancher Bursch und manche Dirn verließen das ganze Jahr nicht die engere Heimat. Wo sich die Gelegenheit bot, Bekanntschaften zu machen, oft waren es Wallfahrten, griff man sie auf. Um Hochzeiter zu schauen, kannten die Mädchen einen ganzen Sack voll Bräuche. In der Walpurgisnacht konnten sie es, wenn sie auf einen roten Tuch schliefen oder sich an einen Rossbauch legten.

Damit die Hex in dieser Nacht den Kindern nicht Schaden zufügte, legte die Großmutter den Enkeln die Strümpfe kreuzweise vor das Bett.

Die Dirndl schliefen oft unruhig in dieser Nacht. Wenn am Morgen des ersten Mai vor einem Kammerfenster, vor der Stalltür oder auf dem Misthaufen „Stauden steckten“, dann galt das als Auszeichnung, Lob für eine künftige gute Hauserin. Mit dem grünen Boschen auf dem Hausdach sagte der Bursch dem Mädchen seiner Wahl die „Liab“ an. Was aber einem Bauern ein Haberfeldtreiben, das bedeutet einer Dirn der Schandboschen. Das war ein Strohwisch oder ein dürrer Fichtengipfel. Er war nichts anders als Pranger, Ausdruck eines Sittengerichts. Fast unerreichbar steckte er auf dem Dachfirst.

Einen frommen Brauch gab es in Waging, zu einer Zeit, wo der See noch nicht abgesenkt war und das Dorf noch seinen Namen „Waging am See“ zurecht führte. Kleine Fichtenbäume wurden auf den Feldern in die vier Getreidesorten gesetzt. Jedes Bäumchen trug zwei geweihte, übers Kreuz aufgebundene kleine Kerzen. Die jungen Fichten blieben bis zur Ernte stehen. Es war ein schlechtes Omen, wenn bei der Mahd ein Schnitter auf ein herabgefallenes Kerzenkreuzel stieß. Nach dem Volksglauben war es dem Mann aufgegeben, als erster auf dem Hof zu sterben.

.Neben „Walpurga“ steht noch „Philipp“ im Kalender. Der Schabernack, der in dieser Freinacht getrieben wurde und noch immer wird, heißt „philippeln“ oder einfach „Sach vertragen“.

Keltisches Brauchtum

Der 1. Mai soll für die Kelten einer der wichtigsten Tage ihres religiösen Jahres gewesen sein: Sie feierten den Beginn der Sommerzeit, in der die Erde wieder zum Leben erwacht. Auch die Germanen kannten mutmaßlich derartige Frühlingsfeste. Sie feierten es mit Freudenfeuern und befragten die "weisen Frauen", die " Hagazussen ", die in den "heiligen Hainen " angeblich auf der Schwelle zwischen der Menschen- und der Geisterwelt saßen, nach der Zukunft .

Mit Beginn der Christianisierung wurde der "heidnische Hokuspokus" zu Treffen finsterer Mächte umgedeutet und die Hagazussen wurden als "Hexen", als weibliche Verkörperung des Bösen, die mit dem Teufel im Bunde waren, diffamiert . So wurde in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai weiter um das Feuer getanzt - jetzt allerdings zur Abwehr der Hexen. Die Menschen zogen weiter lärmend durch die Straßen. Nicht mehr, um den Frühling zu begrüßen, sondern um Geisterwesen zu verscheuchen. Zum Schutz vor den Hexen malte man weiße Kreuze an Häuser und Stallungen oder streute geweihtes Salz auf die Türschwellen. Die Besen wurden in dieser Nacht mit dem Reisig nach oben aufgestellt. Mancherorts war es üblich, dass die jungen Männer mit Peitschen knallend durch die Straßen zogen.

Die Bräuche haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Die wenigsten wissen wahrscheinlich noch um den Ursprung der Walpurgisnacht. Übriggeblieben ist teilweise nur noch das als Schabernack gedachte Beschädigen und Entwenden des Eigentums Anderer, um diese zu ärgern. Auf dem Brocken , dem Hexentanzplatz und der benachbarten Rosstrappe - mutmaßliche Zentren des alten heidnischen Walpurgisnacht-Brauchtums im Harz ist davon heute nur noch eine Touristenattraktion übrig geblieben.

Trotz aller Aufklärung gilt aber auch heute noch die Walpurgisnacht als „Freinacht“, in der in Anlehnung an das einstige Hexentreben manch Unsinn erlaubt ist. Dieser Freinachtsbrauch wird immer wieder missbraucht um üble Streiche zu spielen, und zeigt dass der alte Brauch von vielen gänzlich missverstanden wird.

 

Wetterregeln


Für die Walpurgisnacht gibt es viele Wetterregeln wie:

Regen auf Walpurgisnacht hat nie ein gutes Jahr gebracht .

Ist die Hexennacht voll Regen, wird's ein Jahr mit reichlich Segen.

Wenn zu Walpurgis der Schlehdorn blüht, wird zu Jakobi der Kornschnitt.

Zu Philipp und Jakob Regen, bedeutet viel Erntesegen.

 

J.W.Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil V. 4015 ff

MEPHISTOPHELES:

Das drängt und stößt, das ruscht und klappert!

Das zischt und quirlt, das zieht und plappert!

Das leuchtet, sprüht und stinkt und brennt!

Ein wahres Hexenelement!

Nur fest an mir! sonst sind wir gleich getrennt.

Wo bist du?

FAUST (in der Ferne):

Hier!

MEPHISTOPHELES:

Was! dort schon hingerissen? Da werd ich Hausrecht brauchen müssen.

Platz! Junker Voland kommt. Platz! süßer Pöbel, Platz!

Hier, Doktor, fasse mich! und nun in einem Satz

Laß uns aus dem Gedräng entweichen;

Es ist zu toll, sogar für meinesgleichen.

Dortneben leuchtet was mit ganz besondrem Schein,

Es zieht mich was nach jenen Sträuchen.

Komm, komm! wir schlupfen da hinein.

FAUST:

Du Geist des Widerspruchs! Nur zu! du magst mich führen.

Ich denke doch, das war recht klug gemacht:

Zum Brocken wandeln wir in der Walpurgisnacht,

Um uns beliebig nun hieselbst zu isolieren.

 

Text: Miche Huber, Tel.: 08641 / 1681
Quelle Fotos: Wikipedia



A. v. Kreling: Goethes Faust. X. Walpurgisnacht, 1874 - 77