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Sonntag, 27. August 2017

"Schaut auf dieses Kreuz, da schaut der gekreuzigte und geschundene Herrgott auf uns und unsere Heimat"

Von: Heinrich Rehberg

Zum 66. Mal trafen sich die Veteranen- und Traditionsvereine aus dem Chiemgau zur Gedenkmesse für die gefallenen und vermissten Soldaten der Region.

„Ich weiß nicht, was Krieg heißt, ich habe ihn nicht am eigenen Leib erfahren müssen, aber es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir hier in unserer Heimat seit über 70 Jahren in Frieden leben dürfen” so Pfarrer Klaus Hofstetter aus Prien, der den Gedenkgottesdienst für die Gefallenen des Chiemgaus an der Kapelle „Maria Königin des Friedens“ auf der Kampenwand zelebrierte. „Und es ist – leider – fast überflüssig, sagen zu müssen, wie zerbrechlich dieser Frieden in unserer Zeit ist! Es kann so schnell gehen, da braucht man gar nicht auf die Großen und Mächtigen in der Welt mit dem Finger zeigen. Aber was kann uns den Frieden garantieren? Drehen wir uns alle um – hin zum Gipfel der Kampenwand: da grüßt das Kreuz, da schaut der gekreuzigte und geschundene Herrgott auf uns und unsere Heimat, auf den ganzen Chiemgau, er wird auch heute noch geschunden…“.

Bürgermeister Jürgen Seifert und Veteranenvorstand Georg Fischer erinnerten an die Opfer der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts, die auch nach über 70 langen Friedensjahren in der Bevölkerung stets präsent seien. „Mit diesem einmaligen Blick über unseren Chiemgau schauen wir nicht nur über die Landschaft, sondern schauen auch in die Vergangenheit zurück. Wir denken daran, was in Europa in zwei Kriegen im letzten Jahrhundert geschehen ist“. Für den jüngst verstorbenen Bürgermeister von Höslwang Sepp Eisner bat Jürgen Seifert um ein stilles Gedenken. Die Marktgemeinde Prien richtete in diesem Jahr die 66. Gedenkveranstaltung zu Füßen des Kampenwandkreuzes aus. Vertreter der französischen Partnergemeinde Graulhet nahmen erstmals an dieser Gedenkveranstaltung teil.

Die Heimkehrer aus den beiden großen Kriegen des 20.Jahrhunderts sahen bei ihrer Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft als erstes die vertrauten heimischen Berge wieder; als äußeres Zeichen des Zusammenhaltes und des Erinnerns bauten sie das Gipfelkreuz auf den Ostgipfel der Kampenwand, des markantesten Berges im Chiemgau. Am 26. August 1951 wurde es eingeweiht, seitdem ist der Gedenktag auf den letzten Sonntag im August festgelegt. Das „Chiemgaukreuz“ ist mit zwölf Metern Höhe und 54 Zentnern Gewicht das größte eiserne Gipfelkreuz in den Bayerischen Alpen. Bronzene Gedenktafeln erinnern an die Gefallenen und Vermissten von 58 Gemeinden rund um den Chiemsee aus den beiden Landkreisen Rosenheim und Traunstein.

Zum 66. Mal trafen sich die Veteranen- und Traditionsvereine aus dem Chiemgau zur Gedenkmesse für die gefallenen und vermissten Soldaten der Region. Die Gedenkwallfahrt ist bisher noch niemals ausgefallen und wurde bei jedem Wetter an der Kriegerkapelle „Maria - Königin des Friedens“ durchgeführt: eine strahlende Sonne begrüßte in diesem Jahr die zahllosen Gottesdienstbesucher am Berg. 92 Fahnenabordnungen aus dem gesamten Chiemgau fanden sich an der Kriegerkapelle „Maria - Königin des Friedens“ oberhalb der Steinlingalm ein. Sie erfüllten damit ihre seit knapp sieben Jahrzehnten selbst gesetzte Kameradenpflicht gegenüber den Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege.

Zahlreiche Ehrengäste, darunter die Europaabgeordnete Maria Noichl, die beiden Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner und Otto Lederer, die stellvertretenden Landrätinnen von Rosenheim und Traunstein, weitere aktive und bereits ausgeschiedene Mandatsträger aller Ebenen, sowie zahlreiche Bürgermeister aus dem ganzen Chiemgau, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim Pius Graf, der erste Gauvorstand der Soldatenkameradschaften im Landkreis Traunstein Michael Bernauer, mehrere hohe Offiziere der Bundeswehr aus Südostbayern, der Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bezirk Oberbayern Heinrich Rehberg, der Ehrenvorsitzende des Bayerischen Trachtenverbands Otto Dufter mit seiner Frau Hilde, Peter Eicher stellvertretender Landesvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbands und Gauvorstand des Gauverbands I, Gauvorstand Miche Huber und sein Stellvertreter Georg Westner vom Chiemgau-Alpenverband sowie die Vorstände der Ortsvereine von Prien waren unter den Gästen.

Gemeinsam legten die beiden Vorsitzenden der Dachverbände der Veteranenvereine aus Rosenheim und Traunstein Pius Graf und Michael Bernauer zu den Klängen des „Liedes vom guten Kameraden“ einen Kranz zum Gedenken an die Gefallenen des Chiemgaus nieder. Musikalisch wurde der Gedenkgottesdienst von der Musikkapelle Prien unter der Leitung von Regina Huber und den Aschauer Alphörnern umrahmt. Die Gebirgsschützenkompanie Aschau unter der Führung von Hauptmann Hubert Stein schoss den exakten Ehrensalut.


 


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