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Sonntag, 17. September 2017

"Was war, das war - wir fangen neu an!"

Von: Heinrich Rehberg

Festgottesdienst zur 46. bayrisch-tirolischen Wallfahrt zur Ölbergkapelle nach Sachrang mit Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg aus München

„Zum Ruhme Gottes und zur Mahnung für das Tal“, rief die Glocke der Ölbergkapelle die Pilger nach Sachrang. Den Festgottesdienst zur 46. bayrisch-tirolischen Wallfahrt zur Ölbergkapelle nach Sachrang hielt Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg aus München. Bürgermeister Peter Solnar begrüßte die Wallfahrer und zahlreiche Ehrengäste – darunter Landrat Wolfgang Berthaler, die beiden Abgeordneten Klaus Stöttner und Otto Lederer, Bezirksrat Sebastian Friesinger und den Vorsitzenden des Bayernbundes Adolf Dinglreiter - in Sachrang. „Mensch geht’s mir gut, ich lebe in Frieden, habe ein schönes Haus und gute Freunde, Mensch mir geht’s gut“, begann Bürgermeister Peter Solnar seine Begrüßung.

Bürgermeister Solnar dankte dem amtierenden Vorsitzenden des Müllner-Peter-Freundeskreises Dieter Höpfner, sowie allen Initiatoren und den zahllosen Helfern für die Durchführung dieser seit 46 Jahren weit über Aschau und Sachrang hinaus bedeutenden Wallfahrt. Die Musikkapelle Wildenwart unter der Stabführung von Sebastian Graf und der Müllner Peter Chor unter der Leitung von Christine Klinger begrüßten musikalisch die Pilger, die trotz der unsicheren Witterung auf dem kleinen Platz vor der Ölbergkapelle unter den Bäumen in Sachrang zusammen gekommen waren. Die Aschauer Alphornbläser stimmten die Gläubigen in den Gottesdienst ein, einen Teil der musikalischen Umrahmung übernahmen die Schwarzenstoaner Sängerinnen.

"Was war, das war, wir fangen immer wieder neu an". Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg zelebrierte den feierlichen Festgottesdienst. In seiner Predigt versuchte er aktuell anwendbare Antworten für alle auf die Frage nach Schuld und Vergebung zu finden. „Wenn wir Frieden haben wollen, dürfen wir nicht jede Kleinigkeit gegeneinander aufrechnen. Recht haben und Recht bekommen ist immer noch zweierlei und man muss auch einmal dem Nachbarn und dem Nächsten vergeben können. Wo wären wir denn heute, wenn uns die Siegermächte nach dem Krieg nicht die Hand zur Vergebung gereicht hätten und auf den immens hohen Reparationen bestanden hätten?“

Zahlreiche Gläubige aus der weiten Umgebung nahmen an der 46. Sachranger Wallfahrt teil. Fahnenabordnungen aus Bayern und Tirol, Gebirgsschützen, Traditions- und Trachtenvereine und die Feuerwehren umstanden den reich geschmückten Altar an der Ölbergkapelle nahe der Grenze zu Tirol. Die Ehrenkompanie der Gebirgsschützen stellte in diesem Jahr die Gebirgsschützenkompanie Aschau. Aus Bayern waren die Gebirgsschützenkompanien aus Aschau, Bad Endorf, Bernau, und Rosenheim mit dabei, aus Tirol die Kompanien und Einheiten der grenznahen Orte Ebbs, Niederndorferberg, Niederndorf und die Kaiserjäger aus Kufstein.

Gebirgsschützenhauptmann Hubert Stein von der Aschauer Gebirgsschützenkompanie begrüßte noch vor dem Festgottesdienst zusammen mit dem amtierenden Vorsitzenden des Müllner Peter Freundeskreises Dieter Höpfner und Bürgermeister Peter Solnar Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg an der Kirche Sankt Michael in Sachrang und stellte die Front der angetretenen Schützen-Formationen mit ihren Hauptleuten vor.

Die Ölbergkapelle zu Sachrang entstand als Klause bereits im 17. Jahrhundert, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts entwickelte sich eine rege Wallfahrt. Um 1700 war die Blütezeit dieser Wallfahrt, danach ging die Zahl der Wallfahrer stetig zurück. Die Wallfahrtsstätte verfiel und wurde erst durch den bekannten Müllner-Peter von Sachrang Peter Huber um 1800 wieder renoviert. Nach Aufklärung und Säkularisation erwachte neues religiöses Leben und die Wallfahrt gewann für etwa 50 Jahre wieder an Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versiegte der Wallfahrerstrom endgültig.

Die jetzige Bayrisch tirolische Ölbergwallfahrt wurde 1971 wieder ins Leben gerufen, nachdem sie weitgehend in Vergessenheit geraten war. Der Roman und der Film über den Müllner Peter von Sachrang machte den Ort und die Ölbergkapelle weit über die Region hinaus bekannt und so erreichte der damals neu gegründete „Müllner Peter Freundeskreis“ die Wiederbelebung der Wallfahrt.

Zahlreiche hochrangige Zelebranten hielten in den vergangenen 46 Jahren am dritten Sonntag im September den Wallfahrtsgottesdienst, darunter alle Münchner Kardinäle an ihrer Spitze der emeritierte Papst Benedikt XVI. Josef Ratzinger, Reinhard Kardinal Marx, sowie die Bischöfe aus Salzburg und Innsbruck. Auch Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg war bereits 2009 einmal an der Ölbergkapelle, als Sekretär begleitete er den damaligen Zelebranten Reinhard Kardinal Marx.


 


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