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Sonntag, 30. August 2015

Krieg in aller Welt - traurige Realität

Von: Heinrich Rehberg

64. Gedenkgottesdienst für die Gefallenen des Chiemgaus an der Kapelle „Maria Königin des Friedens“ auf der Kampenwand

„So ähnlich wie ich euch heute an diesem Ort unter dem Gipfelkreuz der Kampenwand sehe, muss auch Jesus die vielen Männer, Frauen und Kinder gesehen haben, als er seine Bergpredigt hielt“, so Dekan Josef Reindl aus Amerang, der den Gedenkgottesdienst für die Gefallenen des Chiemgaus an der Kapelle „Maria Königin des Friedens“ auf der Kampenwand zelebrierte; Dekan Reindl unterbrach extra seinen Urlaub, um diesen Gottesdienst feiern zu können, „der zweite Weltkrieg ist für uns alle weit weg, aber der ersehnte Frieden ist nicht eingekehrt – Krieg in aller Welt ist die traurige Realität. Krieg ist keine Sache der Vergangenheit, Nationalismus und falsch verstandene Religiosität fachen immer neue Konflikte an, Flucht und Vertreibung sind allgegenwärtig und sind für uns jeden Tag greifbar; wir müssen uns dieser Herausforderung täglich stellen“.

Bürgermeister Augustin Voit aus Amerang erinnerte an die Opfer der beiden großen Kriege des letzten Jahrhunderts, die auch nach 70 langen Friedensjahren in der Bevölkerung stets präsent seien. „Denken wir an unsere Menschen hier aus dem Chiemgau, aber auch an die vielen Menschen in den Kriegsgebieten in aller Welt, die bei uns jetzt Schutz und Zuflucht suchen. Ein besonderes Gedenken gilt einem der Schöpfer des Chiemgaukreuzes Franz Schaffner aus Höslwang und dem Ehrenvorsitzenden der IG Rosenheim Günter Altmann“. Die Gemeinde Amerang richtete in diesem Jahr die 64.Gedenkveranstaltung zu Füßen des Kampenwandkreuzes aus.

Die Heimkehrer aus den großen Kriegen des 20.Jahrhunderts sahen bei ihrer glücklichen Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft als erstes die vertrauten heimischen Berge wieder; als äußeres Zeichen des Zusammenhaltes und des Erinnerns bauten sie das Gipfelkreuz auf den Ostgipfel der Kampenwand des markantesten Berges im Chiemgau. Am 26. August 1951 wurde es eingeweiht, seitdem ist der Gedenktag auf den letzten Sonntag im August festgelegt. Das „Chiemgaukreuz“ ist mit zwölf Metern Höhe und 54 Zentnern Gewicht das größte eiserne Gipfelkreuz in den Bayerischen Alpen. Bronzene Gedenktafeln erinnern an die Gefallenen und Vermissten von 58 Gemeinden rund um den Chiemsee aus den beiden Landkreisen Rosenheim und Traunstein.

Zum 64. Mal trafen sich die Veteranen- und Traditionsvereine aus dem Chiemgau zur Gedenkmesse für die gefallenen und vermissten Soldaten der Region. Die Gedenkwallfahrt ist bisher noch niemals ausgefallen und wurde bei jedem Wetter durchgeführt: zum ersten Mal nach sieben kalten und windigen Jahren begrüßte eine strahlende Sonne die zahllosen Gottesdienstbesucher am Berg. 81 Fahnenabordnungen aus dem gesamten Chiemgau fanden sich an der Kriegerkapelle „Maria - Königin des Friedens“ oberhalb der Steinlingalm ein. Sie erfüllten damit ihre seit über sechs Jahrzehnten selbst gesetzte Kameradenpflicht gegenüber den Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege.

Zahlreiche Ehrengäste, darunter die Europaabgeordnete Maria Noichl, MdB Daniela Ludwig, MdL Klaus Stöttner und weitere Mandatsträger aller Ebenen, sowie zahlreiche Bürgermeister aus dem ganzen Chiemgau, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Krieger- und Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim Pius Graf, der erste Gauvorstand der Soldatenkameradschaften im Landkreis Traunstein Michael Bernauer, mehrere hohe Offiziere der Bundeswehr aus Südostbayern, der stellvertretende Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bezirk Oberbayern Heinrich Rehberg, der Vorsitzende des Gauverbands I im Bayerischen Trachtenverband Peter Eicher und die Vorstände der Ortsvereine von Amerang waren unter den Gästen.

Gemeinsam legten die beiden Vorsitzenden der Dachverbände der Veteranenvereine aus Rosenheim und Traunstein Pius Graf und Michael Bernauer zu den Klängen des „Liedes vom guten Kameraden“ einen Kranz zum Gedenken an die Gefallenen des Chiemgaus nieder. Musikalisch wurde der Gedenkgottesdienst von der Ameranger Dorfmusik und den Aschauer Alphörnern umrahmt. Die Gebirgsschützenkompanie Aschau unter der Führung von Hauptmann Hubert Stein schoss den exakten Ehrensalut.


 


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