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Sonntag, 28. November 2010

S´ Paradeisl in Sachrang

Von: Heinrich Rehberg

Sachranger Weihnachtsmarkt am ersten Adventssonntag

Monika Franzke und ihr Paradeisl, hier mit gelben Kerzen

Beim Weihnachtsbasar in Sachrang stellte Monika Franzke ihr Paradeisl vor. Das Paradeisl, auch Paradeiser genannt, ist der altbairisch-österreichische Vorläufer des Adventskranzes. Traditionell besteht es aus vier roten Äpfeln, die mit meist bemalten Stöcken zu einer Dreieckspyramide verbunden werden. Auf jedem Apfel ist eine Kerze angebracht. Meist werden drei rote Kerzen verwendet, landschaftlich sind auch drei violette und eine rosafarbene Kerze (in der Unteretage) im Gebrauch. Jeden Sonntag wird eine der Kerzen angezündet, am dritten Adventssonntag die rosa Kerze, passend zur liturgischen Farbe des Sonntags Gaudete (lateinisch „Freuet Euch“). Am vierten Adventssonntag leuchtet die Kerze auf der Spitze der Pyramide. Der Paradeiser steht oft auf einem mit Weihnachtsgebäck, Nüssen oder Äpfeln geschmückten Teller.

Aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem nicht gerade wohlhabenden Münchner Stadtteil Au wird berichtet, dass ein schlichtes Paradeisl dort von der Mutter erst zu Weihnachten aufgestellt wurde. Seine Stäbe waren nicht geschmückt. Nur unter dem obersten Apfel hing eine Nuss.

"Bräuche müssen nicht immer uralt und erst recht nicht in heidnischer Zeit entstanden sein. Meist sind sie christlichen Ursprungs. Und wer würde schon vermuten, dass der beliebte Adventskranz seinen Weg vom Norden Deutschlands in den brauchfreudigen Süden gefunden hat. Erfunden wurde er im ausgehenden 19. Jahrhundert von dem evangelischen Pfarrer und Erzieher Johann Hinrich Wichern in Hamburg."

Trotzdem gab es auch in Altbayern einen "adventlichen Zeitmesser": Das Paradeisl.  Die Bezeichnung Paradeisl leitet sich von "Paradies", dem Garten Eden, ab. Der mit Äpfeln behangene "Paradiesbaum" war Bestandteil der mittelalterlichen "Paradiesspiele". Solche wurden in Kirchen und Klöstern während der Liturgie aufgeführt und später, insbesondere ab der Barockzeit, in privaten Wohnhäusern nachgespielt. Hier fand auch das Paradeisl seine brauchgemäße Verwendung. Es symbolisiert den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen. Der Apfel soll an den Sündenfall erinnern, die Kerzen weisen auf die Erlösung durch Christus als "Licht der Welt" hin.
"Es ist ein schöner Brauch, während des Advents ein Paradeisl aufzustellen. Es besitzt eine besondere Symbolik. Praktisch ist es obendrein: Äpfel können nicht anbrennen", sagt Monika Franzke augenzwinkernd.


 


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