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Gauverband

"Die Gründung des Gaues erfolgt nicht aus Eigenbrötelei und kleinlicher Streitsucht, sondern mit der Absicht, die Gebirgs-Trachten-Erhaltungsvereine der Chiemgauberge zu sammeln, um mit vereinten Kräften zu arbeiten an der Erhaltung und Pflege Chiemgauer Sitte, Art und Tracht Der Mensch ist in Art, Sitt und Tracht, auch wie der Boden auf dem er wächst, verschieden. So ist der Chiemgau anders wie das Oberland, anders wie das Berchtesgadener Land. In dieser Erkenntnis sammeln sich die Vereine der Chiemgau-Berge und setzen sich zur Aufgabe, in gemeinsamer zielbewußter Arbeit, Sitte und Tracht der engeren Heimat zu pflegen und zu erhalten."


Erste Gauvorstandschaft

Diese Sätze sind als Einleitung im ersten Protokollbuch des Chiemgau-Alpenverbandes zu lesen. Die Entstehung der 23 Gebirgstracht-Erhaltungs-Vereine des Gaues in der Region begann mit der Gründung des GTEV "D' Griabinga" Hohenaschau im Jahre 1884, dieser Verein gilt als der drittälteste Trachtenverein in Bayern. Der Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte wurde am 25.Juli 1926 in Marquartstein gegründet. Unter dem Vorsitz von Matthias Schrobenhauser aus Marquartstein wurde 1926 eine Gründungssatzung ausgearbeitet, die Mitglieder des Ausschusses einigten sich auf den Verbandsnamen "Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte" mit Sitz in Marquartstein und beriefen eine Verbandsgründungsversammlung für den 25.Juli 1926 in den Gasthof "Hofwirt" in Marquartstein ein. Die Gebirgstracht-Erhaltungs-Vereine Schleching, Ober- und Unterwössen, Marquartstein, Staudach, Grassau, Bernau und Hohen- und Niederaschau erklärten ihren Beitritt zum neuen Verband, zum ersten Gauvorstand wurde Matthias Schrobenhauser, Marquartstein gewählt, sei Stellvertreter wurde Ludwig Egger aus Bernau. Das Gaugründungsfest, wurde am 22./23.August 1926 in Marquartstein gefeiert. Das Gauverbandsabzeichen des Chiemgau-Alpenverbandes wurde von Vinzenz Bachmann aus Schleching geschaffen.


1.Gauvorstand Hias Schrobenhauser

Beim zweiten Gautrachtenfest in Hohenaschau 1927 wurde Ludwig Freiherr von Cramer-Klett durch den Gauvorstand Hias Schrobenhauser das Ehrenamt eines "Protektors des Chiemgau-Alpenverbandes" angetragen und von diesem freudig angenommen. Er hat dieses Ehrenamt bis zu seinem Tod stets mit innerer Verbundenheit und besonderer Fürsorge vorbildlich wahrgenommen. 1981 zu seinem 75. Geburtstag erhielt er das goldene Gauehrenzeichen, sowie die Ehrenurkunde zur Ernennung für das Ehrenprotektorat des Chiemgau-Alpenverbandes in der Festhalle Hohenaschau.

Bereits 1927 wurde in Unterwössen erstmalig ein "Gaupreisschuhplattln im Gruppen- und Einzelplattln" durchgeführt, es gehört seitdem untrennbar zum Programm des alljährlichen Gaufestes. Im Jahre 1934 wurde der Chiemgau-Alpenverband als Mitglied in die "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände e. V." aufgenommen. 1937 ordnete die Gauleitung der NSDAP München-Oberbayern die Verschmelzung der Trachtenvereine mit der nationalsozialistischen Organisation "Kraft-durch-Freude" (KdF) an. Schon 1939 endete das Verbandsleben mit dem Kriege. Im Zweiten Weltkrieg verlor der Chiemgau-Alpenverband auf den Schlachtfeldern Europas 448 Gefallene und 87 Vermisste aus den Reihen seiner Trachtler. Ihnen gilt auch heute noch das trauernde Gedenken und Erinnern bei der alljährlichen Gauwallfahrt nach Raiten. Seit 1952 ziehen die Gauvereine alljährlich an Christi Himmelfahrt zur Wallfahrtskirche "Maria bei den Sieben Linden".


Gauvorstand Sepp Perl

Nach Kriegsende sammelten sich die Chiemgauer Trachtler bereits wieder 1946 zur Wiederaufnahme der Arbeit. Sepp Perl aus Staudach erwirkte bei der amerikanischen Militärregierung das Wiederaufleben und die Weiterführung der Trachtenvereine und des Gauverbandes. Am 2.Juni 1946 fand die erste Nachkriegs-Neuwahl der Gauvorstandschaft in Staudach statt, Franz Bichler aus Marquartstein wurde für ein Jahr zum Gauvorstand gewählt. 1947 wurde Gaugründungsvorstand Hias Schrobenhauser wieder mit der Führung des Gauverbandes betraut. Über 30 Jahre lang führte er den Chiemgau-Alpenverband vom Tage seiner Gründung an - mit der kurzen Unterbrechung 1946/47 bis 1958 als erster Gauvorstand. Sepp Perl aus Staudach folgte ihm in der Führung des Verbandes, 13 Jahre stand er bis 1971 an der Spitze. Wie sein Vorgänger wurde er zum Gauehrenvorstand ernannt, für seine Verdienste um das Brauchtum erhielt er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Als sein Nachfolger wurde 1971 Sepp Schlagbauer aus Unterwössen zum Gauvorstand gewählt, ihm folgte 1977 Otto Dufter aus Unterwössen. 1997 übergab dieser das Amt nach 20 Jahren bei der Gauversammlung in Frasdorf an Sepp Schmid aus Höhenmoos.



Ein paar kurze Auszüge aus der Chronik des Chiemgau-Alpenverband:
Auf Anregung von Peter Bichl aus Bernau stifteten die Gauvereine die Glocke für die Gedächtniskapelle auf der Steinlingalm. Eine weitere Spende erbrachten die Gauvereine für das Schnappenkircherl, ebenso für die Wallfahrtskirche in Raiten.
Im Jahre 1960 wurde als Ergänzung zum Preisplattln erstmals ein Gau-Preisdirndldrahn abgehalten. Das Gausingen wurde 1964 auf Anregung von Wastl Wendlinger aus Rottau eingeführt, der erste Gaujugendtag 1975 auf Initiative von Toni Fleindl aus Reit im Winkl. Großes Interesse galt stets dem alpenländischen Volkstanz. Gauvolkstanzmeister Georg von Kaufmann und Jakob Irrgang haben sich hierfür erfolgreich eingesetzt. Der Gauvolkstanzabend ist heute eine ständige Veranstaltung bei den Gaufesten.
Schließlich wurde in den Trachtenvereinen auch die Freude für das Volkslied und die Hausmusik angeregt, dies führte zur Bildung von zahlreichen Gesangs- und Hausmusikgruppen. Seit Jahren wird für die gaueigenen Gesangs- und Hausmusikgruppen ein "Gausingen und -musizieren" durchgeführt, an dem sich die heranwachsenden Jugendgruppen zahlreich und mit Erfolg beteiligen.
Bei den Olympischen Spiele 1972 in München machten aus den Reihen des Chiemgau-Alpenverbandes Buam und Dirndl und eine 20 Mann starke Trachtenmusikkapelle bei der Eröffnung und der Abschlußfeier mit. Auch bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 im Münchener Olympiastadion nahmen Schuhplattler und Trachtendirndl als Mitwirkende im Rahmenprogramm teil, ebenso bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spielen 1976 in Montreal, Kanada.
Das Jahrhundertfest der "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände" in München am 3. Juli 1983 mit dem Staatsempfang und weiteren Rahmenveranstaltungen war ein Höhepunkt im bayerischen Trachtenleben. Der ehemalige Bayerische Ministerpräsident Dr. Franz Josef Strauß faßte diesen Jubeltag des Freistaates mit rund 25.000 Trachtlern und 130.000 Zuschauern mit den Worten "Bayern ist einmalig" zusammen. Mehrfach richtete der Chiemgau-Alpenverband die Jahrestagung der "Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände" bzw. des Bayerischen Trachtenverbandes aus.
Das Jahr 1984 brachte dem Chiemgau-Alpenverband als äußeres Zeichen der Gemeinschaft die Gaustandarte. Georg Plank, aus Hittenkirchen schuf - nach Vorarbeit der beiden Gauvorstände Otto Dufter und Sepp Stoib sowie Gautanzwart Jakob Irrgang - den Entwurf der Standarte, ausgeführt wurde er von der Fahnenstickerei Hohenwarth. Die Standarte wurde 1984 beim Gaufest in Bernau geweiht, Patenverein war der Trachtenverein "D' Griabinga" Hohenaschau.
1995 übernahm der Chiemgau-Alpenverband die Patenschaft bei der Weihe der Gaustandarte des Altbayrisch-Schwäbischen Gauverbands in Lechhausen, 1998 bei der Weihe der Standarte des Inngaus bei der Gauwallfahrt in Schwarzlack.

Auch nach dem Jahre 2000 wird das Trachtenvereinsleben im Chiemgau, in den Dörfern und Vereinen nahe der Gebirgskette wie bisher weiter verlaufen. Der Gründung folgten Höhen und Tiefen, zwei Weltkriege und nunmehr seit 55 Jahren des Friedens neue gesellschaftliche Herausforderungen. Nie blieb die Zeit stehen, die Tracht und all die Arbeit drumherum hat sich immer bewegt. So war und ist es auch bei den Chiemgauer Trachtlerinnen und Trachtlern.

 

Text: Heinrich Rehberg, 2001

 

 

 


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