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Unser Dialekt lebt von der bildhaften Sprache, von lustigen Redensarten und es gibt nichts im menschlichen Leben, was da nicht auf`s Korn genommen wird.

Viel Spott und Satire könnte man zusammentragen über Manner- und Weiberleit, über deren Körperformen, Charakter und besondere Eigenschaften. Aus diesen Ausdrücken und Vergleichen spricht die ganze Urwüchsigkeit des geborenen Chiemgauers.

Die Chiemgauerin ist mit Recht bekannt als eine Seele von einer Frau. Sie hat ein weiches Gemüt, ist häuslich, sparsam, fleißig und treu, also eine gute Hausfrau und Mutter, die alles für ihre Familie tut, was in ihren Kräften steht und ebenso für die Ehehalten sorgt. Sie geht fleißig in die Kirche, hält Mann und Kinder dazu an, und, obwohl sie das Neue nicht ablehnt, hält sie fest an alten Sitten und Bräuchen.

Doch es gibt natürlich auch Ausnahmen, und über die sind eine ganze Serie von „quer Redn“ im Gebrauch. Denn das muß man dem Chiemgau lassen, für Schwächen der „Weibaleit“ hat er ein scharfes Auge.

Eine Geizige ist „a rechts Gnack“. Bei einer Gefühlsarmen „geht da Ofa aus, wenn dö in Stubn einegeht“, oder beim Heiraten „do wünsch i  ihr Glück zur Nordpolroas“. Eine, die recht viel redt, ist „a recht`s Gschnapperl“ und eine, die obendrein die Leute ausrichtet, is „a Ratschn“, und wenn diese Eigenschaft in gesteigerter Form vorhanden ist „a Karfreitaratschn“.

Die Bezeichnung „Flitschn“ oder „Flitschei“ kann im wohlwollenden Sinn für ein junges Mädchen oder im abträglichen Sinn für eine unzüchtige Person gebraucht werden. „A so a Goaß (Ziege) „ sagt man für eine minderwertige Person. „A so a Fetzn“ bezeichnet eine schlampige Person, „a so a Schlin“ ein liederliches Frauenzimmer, „a so a Trampi“ eines, das unfein auftritt. „Schlampn“ heißt nachlässig in der Kleidung, eine „ganz a aufdakelte“ ist das Gegenteil. „A oide Rutsch“ sagt man von einer Frau, die auch im Alter noch gern wohin fährt. Frauen , die lästig fallen, heißen „Neiffat“, im Steigerungsfall „a aufkniffane“.

"A bißl a Luaderl“ ist noch nicht ganz schlecht und „a wepsi“ ist eine, die sich nichts gefallen lasst. Die ist „wie de Katz im Wochenbett“, die einen gleich anspringt.

Aber nicht weniger häufig, im Gegenteil , sind die Redensarten über die „Mannsbuida“. Die lassen an Derbheit, an Urwüchsigkeit oft nichts zu wünschen übrig.

Da gibt es de „Hansdampf zwoamoi“, den „ganz o’draahtn Bazi“; den „raffinierten Hundling“, den „damischen Ritta“, den „Schernschleifa“, den „Hodalump“, den „Siaßling“, den „Krenhantign“, den „Gronigl“; eine Bezeichnug, die von gronen = brummen kommt. So sagt man z.B., dass die Sau gront.

Da gibt es welche, die „hau’n so Nägl oba“, da sind die Spaßmacher. Ein weicher und unbeholfener Mensch wird „Doagaff „ genannt. Da gibt es den „Fretta“, der sich nichts leisten kann, dann den „Stoffl“. Ist er besonders ungeschult, dann „is des a rechta Batznlippe oder Potznlippel“, ein Spottname, der mit „batzet“ zusammenhängt, das soviel heißt wie derb oder patzig. „A Lalli“ ist ein halber Depp, der mit schwerer Zunge redet, „a guata Lapp“ einer, der nicht ganz zurechnungsfähig ist. „A Lakl“ ein gemeiner Kerl, ein Ausdruck, der vielleicht mit Melac, dem französischen General unter Ludwig XIV., zu tun hat, der die bayrische Pfalz brandschatze. Wenigstens ist dies die Schmellerische Erklärung.

„A Gischpi“ oder „Gischpl“ ist ein unbedachtsamer Mensch. Als „müada Braachta“ bezeichnet man einen, der einen maustot redet, als „Schoaßbrachta“, einen, der von lauter unnützen Dingen spricht. Der „Hoibgachsta“ wiederum ist einer, der nur halb brauchbar ist. Der Ausdruck kommt von halbgeachst, und so bezeichnet man Wagen, die sich beim Umkehren nicht ganz durchreiben.

Der „Gachgiftge“ ist ein Jähzorniger, „a Latsch“ ein unfester Charakter, er hebt beim Gehen die Beine nicht an, „a Lotsch“ ist ein träger, „a ganz a gfeita“ ein äußerst schlechter, raffinierter Mensch. „Botschi“ ist eine mehr liebevolle Bezeichnung für einen mehr unbeholfenen Menschen, ein „Gschwoischedl“ dagegen eine abfällige für einen, dessen Kopf von lauter Bratenessen angeschwollen ist .

Mit „a soichanan Kundn“ möchte man nicht gerne etwas zu tun haben, auch mit einem „Gloiffe“, noch weniger mit einem „saubärischen“ Menschen oder einem „Rüappi“, einem groben und rohen Menschen. Dagegen kann man den „Hiasl“ um besten halten, ebenso den „Fretta“, der nur mühselig fortkommt. Der gestandene Mann aber ist Vorbild. „Feischpinna“ = Feinspinner, also ganz schlaue, manche sind „z schlecht auf’n Misthaufa außi“, der ist zu faul „wia a lausige Sau, wenn ma’s kratzt : de bleibt a sten“, da ist einer „an Deifi z’schlecht, sinst hätt er’n scho lang ghoit“, den aber „mecht i net mit da Mistgobi oglanga“.

Witzige und humorvolle Redesnarten finden sich auch sonst in großen Mengen. Die Körperformen gaben es dem Chiemgauer dabei besonders angetan. Einen kleinen Menschen kannst „Im Schiletaschl hoamtrongn“ oder „do muaßt zwoamoi hinschau’n, bis d’eahm siagst“ oder „wenn de neb’n sein Mo dahergeht, kunnst moana, ’s hängt eahm ’s Schneitztüachi außa“.

Ein langer Mensch ist „wia a Bohnastang, wia a Hopfastang“. „A paar Flockn wenn er sich net umhänga taat, gehat er für an Kiraturm“. „Wenn der so dumm waar wia lang, kunnt er den Herrn Mond a Bussl gem“.

Für dick wird der Ausdruck stark verwendet. Da heißt es vom auffallend dicken Mann, „der is so stark, dass d’ zwoa Stund im Galopp roasen derfst, bis d’ um eahm uma kimmst“, oder von einer dicken Frau „a soichene Wampn, wia a trogade Kuah“.

Ebenfalls wird die magere Frau hochgenommen, von der der Volksmund sagt, „vorn a Beichtzettl, hint an Millibrettl“. Und wenn einer fett ist, dann hat er „a Fettn, dass d’n ohne Kraut ned oaschaung konnst“. Ein überaus magerer kann so mager sein, „dass er in an Feuerwehrschlauch einigang, wo er über Nocht drin bleim kunnt“. Denn kannst auch „durch a Klartinettn durchseng“ oder „gegen den is da Tod vo Öding no wia a Schbecksau“. Auch wird er bei der Auferstehung des Fleisches „ned mitmacha kinna, weil er nia oans ghabt hot“.

Am meisten aber wird der Kopf, werden Gesicht und Mund kommentiert. Alle menschlichen Leidenschaften kommen da auf ihre Rechnung. Von „Pappn“, „Kopf wia Sautorg“, „Gschwoikopf“, „Großkopfeda“, Treantschn“, „Rotzpippn“, „Gwaaff“, „Brotlodn“, „Schnauzn“, „Schnobe“, „Gschroamäupappn“ bis „Rührmillipappn“ reicht die Skala. „De hat a Mäu wia Schtodltor“, „de hot guad redn, de is fozngrecht“. Dabei werden gewisse gesellschaftliche Unterschiede gewahrt. Da sagt der Herr Oberförster bei der Treibjagd „In diesem Trieb kommt a Fuchs durch : die Schützen soint ihra Mäu hoitn und die Treiber ihre Fotzna“,

Der Rüassl ist noch weniger respektvoll als Fotz. Da sagt der Bub um Vater :“Voda, du host an Drög hibrocht an dein Rüassl“,worauf der Vater sagt, „wos, du Gschliffi „Wia kannst du zu deim Voda sein Fotz Rüassl song !“

Doch bei der Selbstbeschuldigung darf man ruhig bekennen, „do hon i mein Rüassl schö einibrocht in dö Gschicht“, Bildlich gesehen ist da ja auch „Rüassl“ der einzig richtige Ausdruck. Häufig ist auch „mach dein Brotlodn zua, sist ziagt`s und du dawischt an Frost !“

Auch Nase und Ohren kommen nicht zu kurz, „der hot so lange, dass d`as mit`n Pleschl (Zunge) oschlecka kunnst“. D` Leit hand überoi gleich, ham d`Nosn mittn im Gsicht und d`Ohrwaschl auf da Seit“. Vom Nasenbohrer sagt der Volksmund „Kriagst morng (morgen) an Schneida auf d`Stöhr, weilst heit scho d`Flecki zammsuacha tuast?“ Ohr ist das Ohrwaschl, die Koseform ist “a liabs Ohrwaschei“. Als Schimpfwort gebraucht, sagt man, „du Waschl ! Du Sauwaschl!“

Besonders die armen, der Manneszierde beraubten Männer sind häufig die Zielscheibe des Spottes . „Der Platterte muaß sich mit dem Handtuch kampn“ (kämmen). „Bei dem ist „da O..... durch `s Hirn durchigwachsn“ , „dem sei Weib kriagt`s amoi schö, dö braucht koan Ofa kaffa, weil `s auf seina Plattn kocha ko“. Wennst an Schnackla host, muaßt an drei Platterte denga, dann vogeht er.“

Endlos sind auch die Sprüche, die sich mit dem übrigen Körperteilen beschäftigen. „An dera ihrm grobn Gsicht ham si schon 9 Hund z`Toud bellt“, dem Dirndl schaud s`Bravsei bei dö Aung außa“, „der macht a Gsicht ois wia a a Bitschn Essigwoossa gsuffa hät“.

Die Haare beim Mannsbild sind „wia trumbe (krumme) Hufnägl“ oder „wie Schnilernstöcki“ (Schnittlauchstock), bei einem Weiberts „fein wia a Spinnwebn“ „kräuslert wia a Lampifell“, „glatt gschricha wia von da Kälberkuah“. Vom Kropf heißt es, „a bissei a Kröpferl“, wenn er klein ist, wenn er aber groß ist, hat er einen Kropf, „dass a`s Krawattl besser umabinden ko“.

Das Genick ist ebenfalls der Kritik unterworfen, „aa a recht a gnackertes“ ist ein starkes Mannsbild, eine geizige Frau ist „a rechts Gnack“. Der Hals ist „da Krong“. Der Bauch „a Wampn“, wenn er fett ist , ist er mag, ist er „hundsbäuchert“. Die Füße sind wia draachselt“, „wia a Hircherl“, wenn sie zierlich sind. Sie können aber groß „wia a Rührkübi“, „wia an Elefant sei Großmuada“ sei.

Viele köstliche Redensarten ließen sich auch dem täglichen Leben berichten. Wenn einer schuftet, dann arbeitet er“auf Deifi kimm außa“. Wenn einer sich gegen die Alimente wehrt, dann hat ihn „da Amtsrichta dös onischneitn woin, dass a für dös Kind an Votan macha soit“.

Und die Flüche! „Kreizbirnbaum und Hollastaudn“, „Bluatige Hennakopf“, Herrschaftsseit`n“, Kruzinesn“, „Himmi Schimmi“, „Sodoma un Gogumera“, wobei Gogumera Gurke bedeutet.

Und die Kraftsprüche „du stinkst ja wia an deifi sei Werschtahosn“ , „jammerschod, dass du a Preiß bist“, „du bist ja nöd neugieri, aba wissen moechst ois“ , „Schmeckts Kropfata“, „i derbrösel di“, „i fisel di o“, „i derbaaz di“, und so weiter.

Ja, endlos könnte man Sprüche fortsetzen, die so im täglichen Leben vom echten Chiemgauer zum besten gegeben werden.

Text : Miche Huber

Quelle : Heimatbuch des Landkreises Traunstein