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Das Fest Fronleichnam ist kirchengeschichtlich gesehen noch sehr jung. Wenn man bedenkt, dass die Festlegung von Ostern und auch Weihnachten auf das Konzil von Nicäa (325 n. Chr.) zurück geht, das Fronleichnamsfest aber erst im Jahr 1264 n. Chr. aufscheint, und von den Päpsten Urban IV (1261-1264), Clemens V (1305-1314) sowie Johannes XXII (1381-1434) für die ganze Weltkirche verbindlich eingeführt wurde, ist das ganz klar ersichtlich. Grund war eine Vision der im belgischen Kloster Mont-Cornillon lebenden Augustinernonne Juliana von Lüttich. Ihr erschien die Kirche in Gestalt einer Vollmondscheibe, auf der ein dunkler Fleck zu sehen war. In visionärer Schau wurde ihr erschlossen, im Lichtkreis der kirchlichen Liturgie fehle ein wichtiges Fest zu Ehren der Eucharistie. Angeregt durch diese Vision führte Bischof Robert von Lüttich 1246 das Fronleichnamsfest zur Erinnerung an die Einsetzung des Altarsakramentes (liturgische Feier am Gründonnerstag in der Karwoche) dort ein Zentraler Mittelpunkt von Fronleichnam ist die (öffentliche) Darstellung des „Herrenleibes“ in Form der Hostie. Dazu wird eine ausgesprochen prächtige Goldschmiedearbeit, die sogenannte „Monstranz“, verwendet, um die Hostie, um die es hier zentral geht, in einer Prozession mitführen zu können. Der Geistliche trägt diese Monstranz (Schaugefäß) in der Prozession durch Stadt oder Dorf. Dabei geht er unter einem ebenfalls kunstvoll gestalteten (im Volksmund „Himmel“ genannten) Baldachin einher, der von vier Männern getragen wird, die meist einer so genannten „roten“ (Herz Jesu) Bruderschaft oder einer sonstigen Bruderschaft („blaue“ = Rosenkranz-Bruderschaft) angehören und entsprechend farbige Umhänge trag


Der Tag Fronleichnam wird immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten festlich begangen. Er heisst anderswo wegen seiner großen Prachtentfaltung „großer Prangertag“ (von prangen, also prächtig sein) oder auch ‚“Kranzltag“, an dem die jungen Dirndl ein Myrthenkranzl im Haar tragen. Wörtlich übersetzt heißt Fronleichnam „Herrenleib“, also „Leib des Herrn“ und damit ist klar, um was es sich liturgisch hier handelt. Es geht um die glanzvolle, prächtig in Szene gesetzte öffentliche Darstellung des Herrn und Heilands in Form der geweihten Hostie. „Fro(n)“ übersetzt aus dem Althochdeutschen heisst „Herr“ (Frondienst = Dienst für den Herrn, also den Fürsten, König, Fürstbischof und dergleichen). „Lichnam“ bedeutet althochdeutsch „Leib“. Anders als der Christi Himmelfahrtstag, der bedeutungsmäßig mehr und mehr zum verweltlichten „Vatertag“ schrumpft, hat sich Fronleichnam im allgemeinen Sprachgebrauch (noch) nicht verändert, denn auch in den Gegenden in denen man „Großer Prangertag“, „Kranzltag“ oder „Antlaßtag“ sagt, ist der tatsächliche Oberbegriff „Fronleichnam“ nicht in Frage gestellt. Antlass bedeutet Entlassung aus der „Kirchenbuße“ am Gründonnerstag für alle, die seit Aschermittwoch das Bußgewand tragen mussten.


„Monstranz“ ist sprachlich mit De-monstra-tion (monstrare = zeigen) verwandt, was im ursprünglichen Sinn „etwas demonstrieren, also vor- bzw. herzeigen“ bedeutet. Das Volk soll also die Hostie als Sinnbild des lebendigen Leibs Christi sehen, und darauf hingewiesen werden, dass davon menschliches Heil kommt und ewiges Leben.

Den Donnerstag als Festtag hat man deshalb gewählt, weil ja an einem Donnerstag beim letzten Abendmahl in Jerusalem das „Sakrament des Altares“ von Christus selbst eingesetzt worden ist. „Grün“ steht hier für: „grein(en)“ d.h. schmerzlich sein Gesicht verziehen (weinen). Insbesondere die römisch katholische Kirche hat dieses Herren(leibs)fest seit seiner Einsetzung in den kirchlichen Jahreskalender immer schon mit großem Gepränge gefeiert, was sich bis auf den heutigen Tag nicht geändert hat. Bereits im Hochmittelalter war das so, aber auch in der gesamten Barockzeit und besonders in der „Gegenreformation“ kam es zur Vollblüte, auch durch eher weltliche Zugaben bei den Prozessionen, in denen der Priester mit der Monstranz bei den Evangelien (4 an der Zahl) in alle Himmelsrichtungen segnet. Es ging (zum Teil wenigstens) darum Außenstehenden und Andersgläubigen zu demonstrieren zu welcher Prachtentfaltung der kath. Glaube fähig ist, der dabei „ein Stück Himmel auf Erden“ aufblitzen ließ. Dazu bot man auch von Seiten des Staates (Kurfürst, König, Landesherrn) alles Erdenkliche auf, um noch prachtvoller, noch eindrucksvoller zu sein als anderswo. „Ein echtes Theatrum Sacrum, bei dem die Gläubigen nicht nur Zuschauer sondern zugleich noch Mitwirkende waren und auch heute noch sind. In unserer Zeit ist die Fronleichnamsprozession das Herzeigen einer Gesinnung, das Bekenntnis zu einem feierlich-festlichen Glauben. Sollte man sich nicht in einer Zeit, in der man soviel auf Demonstrationen hält auch einen Sinn für die Demonstration des Glaubens bewahren?“ (Paul Ernst Rattlmüller).

Dass bereits sehr früh sogenannte ‚Maien“ entlang des Prozessionsweges aufgestellt wurden, ist überliefert. Als Maien bezeichnete man grünes Busch- und Blattwerk, wie junge Birken und dergleichen. Dieses Aufstellen von Maien kennt man auch zu anderen (weltlichen) Anlässen, was möglicherweise zur Begründung des Maibaumbrauches führte. Außerdem schmückte und schmückt man die Häuser am Prozessionsweg mit roten, goldbortenbesetzten ‚Tüchern und „Daxenbüscheln“. Aber auch Brücken und Brückengeländer sind auf diese Weise geziert. Wo Fahnen im Haus sind, werden sie hinaus gehängt; üblicherweise weiss-blau, also die bayerischen Landesfarben.. Gelb-weiße Fahnen, also in den kirchlichen Farben, flattern auf Kirchtürmen im Wind, aber traditionsgemäß auch an Häusern, aus denen ein Geistlicher hervor gegangen ist.


Da und dort werden auf Tischen Heiligenfiguren, flankiert von brennenden Kerzen, am Prozessionsweg aufgestellt. Zu sehen sind im Bereich der Prozessionsaltäre auch kunstvoll gestaltete Blumenteppiche. Sowohl der Prozessionsweg als auch die Marschordnung des Prozessionszuges sind traditionsgemäß festgelegt. Das wird sogar in der heutigen Zeit noch eingehalten. Die Kommunionkinder des jeweiligen Jahres begleiten seitlich gehend den „Traghimmel“, unter dem der Priester mit der Monstranz geht. Die Dirndl streuen aus ihren Körberln, die sie mit tragen, Blumenköpfe und Blütenblätter, so dass der ganze Prozessionsweg damit bestreut wird. Exakt festgelegt sind auch die jeweiligen Aussenaltäre, an denen die Prozession zur Lesung des Evangeliums halt macht, der Kirchenchor sein „Pange lingua gloriosi“ singt und beim Segen mit der Monstranz die Böller krachen. Ob letzteres zum „sinnvollen“ Brauch gehört in Momenten innerster Andacht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Prozession, abwechselnd begleitet vom Rosenkranzgebet und den langsamen Marschstücken der örtlichen Blasmusik, endet dort, wo sie begonnen hat, in der Pfarrkirche, mit dem letzten der vier Evangelien.


Neben dem religiös-kirchlichen Ereignis kann der geübte Betrachter an der Prozessionsordnung feststellen, wer in einer Stadt oder Gemeinde wo genau rangmäßig angesiedelt ist. Auf dem Land stellen neben den Uniformträgern und -trägerinnen die Trachtenvereine (bei uns sowohl Gebirgstrachten, als da und dort auch sogenannte Volks- oder historische Trachten) ein zentrales Element dar. Sie beabsichtigen damit mehr oder weniger ausdrucksstark die Verbundenheit mit dem angestammten Glauben in der Gemeinschaft zu demonstrieren. Die Überlieferung zeigt, dass wie bei allen Demonstrationen (hier des Glaubens in der Gemeinschaft) sich immer und überall Auswüchse einstellen können, die zu Verboten oder Einschränkungen in der (religiösen) Brauchtumsausübung geführt haben. Der Fronleichnamstag ist nach dem geltenden Feiertagskalender nur dort Feiertag, wo überwiegend römisch-katholische Bevölkerung lebt.

Ähnliche „Schauprozessionen“ im besten Sinne des Wortes kennt man im gesamten christlich abendländisch geprägten Kulturkreis zu den verschiedensten Anlässen.

In einer Zeit der Richtungs- und Orientierungslosigkeit könnte das Fest Fronleichnam ein wichtiges „Leuchtfeuer“ darstellen, wenn es sich an alle Menschen richtet, gleich welchen Glaubens und welcher Weltanschauung sie sind. Ab– und Ausgrenzung, wie es sie in der Geschichte von Fronleichnam früheren Berichten zufolge bereits gab, haben nach meiner Ansicht am Fest des geweihten „Herrenleibes“ keinen Platz.

Fronleichnamsbrauch, Siegi Götze, Marquartstein, März 2009.