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Ein Aprilnarr wird von einem „Klugen“ aufgeklärt, nachdem er ein Fantasiegerät hat beschaffen müssen. Ende 19. Jhdt.

„An scheena Gruaß vom Herrn Lehrer Aublinger, um zehn Pfennig an rot`n Provisa.“ So schickte am 1. April 1884 der junge Hilfslehrer in Prien am Chiemsee die zehnjährige Franzi Hager zur Apotheke. Und der rothaarige Herr Provisor gab dem Schuldirndl lächelnd ein Schachterl mit Quittenpaste.

Über hundert Jahre trennen uns von dieser Begebenheit, aber noch immer werden die Kinder und andere Harmlose Jahr für Jahr am 1. April

um ein Stranitzl Iglsamen,
um eine Portion Oxdradium,
um ein Schachterl ibidum,
um G`wichter für d`Wasserwaag und
um ein Flascherl Krebsblut geschickt.

Der Aprilscherz ist kein landschaftsgebundenes Brauchtum in engerem Sinn. Ihn kennt man in weiten Teilen Europas. Lediglich „die War`“, um die der Gewitzte den Einfältigeren schickt, ist ihrer Dialektfärbung ebenso wie der „Loawedog“ und der „Oachkatzlschwoaf“ nicht austauschbar.

Der Legende nach ist der 1.April ein schwarzer Tag, weil Judas an einem ersten April geboren worden sein sollte. Nach anderem Glauben soll sich Judas am 1.April erhängt haben.

Zudem sei der 1. April angeblich der Tag des Einzugs Luzifers in die Hölle und daher ein Unglückstag, an dem man sich besonders vorsehen müsse.

Vergessen ist, dass der 1. April früher als „Schwendtag“ galt. Alles, was an diesem Tag begonnen wurde, nahm keinen Fortgang, es schwand. Aller Anfang war glücklos. Der Aberglaube war so verbreitet, dass nur wenige sich an diesem Tag Wunden mit Heilkräutern zu behandeln wagten.
Die Wirkung der Kräuter verkehrte sich nach dem Volksglauben ins Gegenteil. Wer sich am 1. April verletzte oder krank wurde, glaubte nach einen schlechten Heilprozess. Der Doktor von Seeon sagte noch in den dreißiger Jahren einmal : „Unsere Leut leben noch immer im Mittelalter."

In den April schickten schickten schon die Kelten, Inder, Perser und Römer ihre Zeitgenossen. Einen „Hul-Narr“ nannten die Leute am Ganges jemanden, der auf solch einen Scherz hereinfiel.

Als vor Generationen oberbayerische Zeitungen berichteten, das Oktoberfest sei „ aus Zweckmäßigkeitsgründen“ auf den 1. April verlegt worden, kamen Tausende aus Stadt und Land zur Theresienwiese. Ein Rosenheimer war dabei. Er erzählte : „Mia ham hoit an Josefibock als Wiesnmaß trunka, und um achte auf d`Nacht hat kaam no oana g`wußt, ob`s Aprui oder September is.“
Einen große Gaudi gab es an einem 1. April wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg.
Das „Reichenhaller Tagblatt“ hatte viele Bürger mit der Nachricht zum Thumsee hinausgelockt : „Die berühmte amerikanische Artistin Evelyne wird am 1. April mit ihren selbsterfundenen Wasserschuhen den Thumsee zu Fuß überqueren.“
Tausende harrten damals bis zur einbrechenden Nacht am Seeufer aus, ohne Evelyne geshen zu haben. Die Zeitung war seinerzeit jedoch selbst in den April geschickt worden. Jahre später traf eine Feldpost in Reichenhall ein. Der Landser gestanden, dass sie die geistigen Väter der „Miß – Evelyne“ waren.

Wie es dazu kam, dass der 1. April zum Tag für besondere Scherze wurde, ist bislang unbekannt. Gesichert ist dem Theologen Manfred Becker-Huberti zufolge einzig, dass es schon im Volksglauben der Antike eine Vielzahl von angeblichen Unglückstagen gab (vergl. Freitag der 13.), zu denen regelmäßig auch der 1. April zählte.

Häufig werden auch diese (ungesicherten) Erklärungen angeführt:

  • Auf dem Augsburger Reichstag von 1530 sollte unter anderem das Münzwesen geregelt werden. Aus Zeitgründen kam es jedoch nicht dazu, so dass für den 1. April ein besonderer „Münztag“ ausgeschrieben wurde. Als der 1. April kam, fand dieser Münztag dann doch nicht statt. Zahlreiche Spekulanten, die auf diesen Münztag gesetzt hatten, verloren ihr Geld und wurden auch noch ausgelacht.
  • Der französische König Karl IX. führte 1564 durch das Edikt von Roussillon eine umfangreiche Kalenderreform durch und verlegte den offiziellen Jahresanfang auf den 1. Januar. In einigen Regionen Frankreichs feierten die Menschen aber – zum Teil aus Unwissenheit – weiter Ende März. Sie sollen als „Aprilnarren“ verspottet worden sein.
  • Auch das bekannte Aprilwetter („April, April kann tun, was er will...“) wird als Erklärung herangezogen.
  • Ein weiterer möglicher Ursprung des Brauchs ist auf ein Ereignis während des Achtzigjährigen Krieges in den Niederlanden zurückzuführen. Am 1. April 1572 wurde Brielle als erste holländische Stadt von den Wassergeusen erobert. Dem verhassten spanischen Statthalter Fernando Álvarez de Toledo „drehte man daraufhin eine Nase“, was sich bis heute in den holländischen Geschichtsbüchern manifestiert: „Op 1 april verloor Alva zijn bril“ (Am 1. April verlor Alba seine Brille!).
  • Angeblich bat an einem 1. April ein sechzehnjähriges Mädchen, dessen Name unbekannt ist, Heinrich IV., König von Frankreich in den Jahren 1589–1610, der sich jungen Damen geneigt zeigte, schriftlich um ein heimliches Rendezvous in einem diskreten Lustschloss. Als Heinrich zu dem Tête-à-tête erschienen sei, habe ihn überraschend der versammelte Hofstaat begrüßt, vorgestanden von seiner Gemahlin Maria von Medici , welche ihm untertänigst dafür gedankt haben soll, dass er ihrer Einladung zum „Narrenball“ gefolgt sei.

 

Kinderreim:

Man schickt am 1. April
den Ochsen, wohin man will;
oft auch am 1. Mai
den Ochsen in das Heu.
Schickt man ihn nah,
ist er gleich wieder da;
schickt man ihn weit,
so wird er gescheit.

 

 

Text : Miche Huber

Quellen : Franziska Hager Hans Henn / Druderhax und Allelujawasser – Rosenheimer Verlag

www.religioeses-brauchtum.de

Bauernweisheiten – Stürz Verlag / Würzburg

 


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