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Gauverband

1920 vor dem Gasthof Hinterwirt


Wie in anderen Gemeinden des Chiemgaus begannen Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Übersee-Feldwies einige Gleichgesinnte, sich für die Erhaltung von Tracht, Sitte und Brauchtum zu engagieren. So wurde im Jahr 1906 der Trachtenverein „Chiemgau Feldwies“ gegründet, dem auch etliche Trachtler aus dem Ortsteil Übersee angehörten. Nach dem Bau der Eisenbahnstation Übersee im Jahr 1860 war der Ortsteil stetig gewachsen und hatte zunehmend an Bedeutung gewonnen, so dass es im Jahre 1920  seitens der Überseer Trachtler zu Bestrebungen kam, das Vereinslokal nach Übersee zu verlegen und den Vereinsnamen in „Übersee-Feldwies“ zu ändern. Dies stieß jedoch bei den Feldwiesern auf Widerstand und so kam es, dass die Überseer am 26. Februar 1920 einen eigenen Verein gründeten. Der Verein erhielt den Namen „Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Verein Übersee“. Als erster Vorstand wurde Georg Schmid gewählt und bereits im Sommer zählte der Verein knapp 130 Mitglieder.
Das Gründungsfest feierte man am 6. Juni 1920 verbunden mit einem Preisplattln, an dem sich rund 200 Plattler beteiligten. In den Jahren 1921, beim 30. Gründungsfest des Trachtenvereins Unterwössen, sowie 1922 beim Gaufest des Gauverbandes I in Bernau, konnte man jeweils den zweiten Meistpreis erringen.


Almtanz vor 1945

Auf  Drängen  des  Ersten  Vorstands  Nikolaus Stöger wurde bei der Generalversammlung im Jahr 1922 beschlossen, eine Vereinsfahne anzuschaffen.  Um  die  Kosten  von  37.000  Mark  für die neue Fahne aufbringen zu können, arbeiteten einige Mitglieder sogar im Torfstich. Bei der geplanten Fahnenweihe kam es dann leider zu Verstimmungen mit den Feldwiesern, die im Februar  1923  ebenfalls  eine  neue  Fahne  gekauft hatten.  Trotz  mehrfacher  Schlichtungsversuche wollte anfangs keiner der beiden Vereine auf die für Juni 1923 geplante Fahnenweihe verzichten; auch der Vorschlag, beide Fahnen am gleichen Tag  weihen  zu  lassen,  wurde  abgelehnt.  Um den Streitigkeiten ein Ende zu bereiten, verlegten  die  Überseer  schließlich  ihre  Fahnenweihe auf das darauf folgende Jahr 1924. Am 25. Mai 1924 erlebte der Verein dann einen glanzvollen Höhepunkt durch die Weihe seiner ersten Vereinsfahne. Die Patenschaft übernahm der GTEV  Unterwössen. 36 Vereine aus dem Gauverband  I  zogen durch den festlich  geschmückten Ort. Ein Autounfall, der vier jungen Trachtlern aus Reit im Winkl bei der Heimfahrt das Leben kostete, warf einen traurigen Schatten über diesen Tag.
Die Zwanziger Jahre brachten der Gemeinde Übersee und dem Trachtenverein einen Aufschwung. Die Auftritte der aktiven Dirndln  und Buam bei Trachtenfesten, verschiedenen Veranstaltungen wie Almtänzen,  „Vereins-Kränzchen“ und Bällen bereicherten das Dorfleben.  Als  1926 in Marquartstein der Chiemgau-Alpenverband gegründet wurde, verhielt man sich zunächst zurückhaltend. So  heißt es am 23. Mai 1926 im  Protokoll:  „Besprechung wegen Gründung des Gau-Verbandes Achental.  Beschluss: Vorläufig Nichtbeteiligung (neutral)“.

Somit  nahm  der  Verein  auch  am  Gaugründungsfest im selben Jahr in Marquartstein nicht teil. Vielmehr nahm man die oft weiten Wege zu den  Festen  des  Gauverbandes  I  in  Kauf,  die meistens  von  30  bis  40  Mitgliedern  mit  dem „Lastauto“ bewältigt wurden. Ab  den  Jahren  1932/33  flaute  die  zuvor  rege Vereinstätigkeit deutlich ab, was unter anderem auch durch die Eingliederung des Vereins in die „Kulturgemeinde“  der  NSDAP und  die  damit verbundene  Beschränkung  von  Veranstaltungen zu erklären ist.
Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 kam die Vereinstätigkeit vollends zum Erliegen. Der schreckliche Krieg hinterließ seine Spuren und riss große Lücken in die Reihen der Mitglieder. Bereits  im  Herbst  1945  und  dann  im  Frühjahr 1946 begannen einige junge Burschen unter Leitung  ihres  selbstgewählten  Vorplattlers  Rudolf Fichtner das Plattln wieder zu üben und neu zu lernen.  Der  erste  Schritt  für  das  Aufleben  des Trachtenvereins wurde dann von dieser Gruppe im April 1946 getan, indem sie sich mit anderen Buam aus dem Dorf dazu entschlossen, nach altem  Brauch  einen  Maibaum  zu  stehlen,  der dann am 1. Mai von den Eigentumern ausgelöst und  aufgestellt  wurde.  Bei  dieser  Gelegenheit plattlte  die  Gruppe  erstmals  in  der  Öffentlichkeit, was mit Begeisterung aufgenommen wurde.
Dazu heißt es im Protokoll: „Daraufhin ging die Gruppe nun heran sich um Trachtendirndl umzusehen, was sehr schwierig war, weil die meisten sich im letzten  Jahrzehnt  modernisiert  hatten,  Bubiköpfe, Augenbrauen usw. Aber jeder Bua fand sein Trachtendirndl mit Gretl-Frisur, wie es früher war. Die einen früher, die anderen etwas später unter den Jüngeren, aber jeder fand ein sauberes Dirndl.“ Am 1. Juni 1946 wurde dann im Gasthaus Jobst eine  Versammlung  abgehalten.  Es  wurde  beschlossen, den Trachtenverein Übersee mit dem Burschen-  und  Krankenunterstützungsverein Übersee  in  einem  neuen,  gemeinsamen  Verein zusammenzuschließen.  Der  Verein  erhielt  den Namen  „Gebirgstrachten-Erhaltungs-  und  Burschenverein Übersee“. Als Ziel und Aufgabe des Vereins  wurde  die  „Wiederbelebung,  Förderung und  Erhaltung  der  im  vergangenen  Reich  zum  Erschlaffen  gekommenen  Trachten,  Sitten  und  Tänze und  die  Unterstützung  von  Mitgliedern  im  Krankheitsfall“ festgelegt.Als   erster   Vorstand   wurde   erneut   Lorenz Stephan gewählt, der die Vorstandschaft schon lange Jahre vor und während des Krieges inne gehabt  hatte.  Der  Verein  trat  1946  dem  Chiemgau-Alpenverband bei. In den darauf folgenden Jahren erlebte die Trachtenbewegung in Übersee einen gewaltigen Aufschwung. Es wurden eine ganze Reihe von Veranstaltungen wie Trachtenbälle, Maitänze, Preisplattln und Trachtenkranzl abgehalten. Wie in den Statuten des Vereins verankert,  spendete  man  aus  dem  Erlös  immer wieder  für  Flüchtlinge,  Hinterbliebene  und Körperbehinderte. Eine besondere Tradition erlangte in dieser Zeit der Drei-Steirer, den der damalige  Schriftführer  und  aktive  Plattler  Siegfried  Berthold  einstudierte  und  der  seither fester Bestandteil des Vereins ist. Am  14.  September  1947  übernahm  der  Trachtenverein  Übersee  das  Gaupreisplattln  des Chiemgau-Alpenverbandes  für  die  Gruppen, das im Freien auf dem Schulhof stattfand. Gott sei Dank erst bei der Preisverteilung brach die auf  Bräuschragen  aufgebaute  Bühne  zusammen. Im darauf folgenden Jahr übernahm Karl Kirmayer das Amt des Ersten Vorstands, Lorenz Stephan wurde zum Ehrenvorstand ernannt.



Gaufest 1956

Auf  Veranlassung  des  Bayerischen  Landesaufsichtsamtes für das Versicherungswesen wurde im Jahr 1952 die Krankenunterstützung als Ziel und Aufgabe des Vereins aus den Statuten entfernt. Die meisten Mitglieder waren in der Zwischenzeit selbst krankenversichert, so dass in den vorangegangenen Jahren so gut wie keine Unterstützung mehr ausbezahlt worden war. Im Zuge dieser Änderung beschloss man auch die Umbenennung des Vereinsnamens in „GTEV D’ Buchwäldler Übersee.



„D’ Buchwäldler“ beim Protektorfest 1953 in Aschau


Leonhardiritt 1953

Im Jahr 1953 wurde der alte Brauch des Leonhardiritts von Übersee nach Almau zur kleinen Kirche Sankt Leonhard wiederbelebt. Das erste Gaufest in der Vereinsgeschichte übernahm der Verein im Jahr 1956. Zuvor hatte es bei der Delegiertenversammlung des Gauverbandes dafür noch drei Bewerber gegeben: Feldwies, Sachrang und Übersee, wobei es letztlich zu einer Kampfabstimmung gekommen war, die zu Gunsten der „Buchwäldler“ ausging. Am 4. und 5. August 1956 konnte man mit dem Gauheimatabend und dem Festsonntag ein imposantes Fest feiern, obwohl der Festzug am Nachmittag wegen starken Regens um eine Stunde verschoben werden musste. Eine erfolgreiche Veranstaltung war auch das Gaupreisplattln am 24. August 1958 in Übersee. Etwa 2.000 Zuschauer verfolgten die Auftritte der Gruppen und der Einzelplattler im Freien vor dem Gasthof Jobst. Die vier Preisrichter von außer Gau hatten es nicht leicht und so musste bis in die späten Abendstunden gerittert werden. Überlegener Sieger in der Klasse von 18 bis 30 Jahren war Hans Hächer aus Schleching, der mit 40 von 40 möglichen Punkten sein großes Können bewies.

Das 40-jährige Gründungsfest mit der Weihe einer neuen Vereinsfahne wurde am 30. Juli 1961 unter der Schirmherrschaft von Ludwig Freiherr von Cramer-Klett abgehalten. Beim Kirchenzug regnete es in Strömen und die Feldmesse mit Fahnenweihe musste in die Kirche verlegt werden. Beim großen Festzug am Nachmittag kam jedoch die Sonne hervor und die 30 eilnehmenden Vereine zogen durch die menschenumsäumten Straßen des Ortes.

Im Rahmen der darauf folgenden Festwoche kam erstmals auch die in diesem Jahr neu gegründete Kinder- und Jugendgruppe zum öffentlichen Auftritt. Im Zuge der vermehrten Jugendarbeit begann man 1967, mit den Vereinen Feldwies, Grassau, Rottau, Staudach und einige Jahre später Grabenstätt alljährlich ein Jugendpreisplattln und Dirndldrahn auszurichten. Am 27. Mai 1972 feierte der Verein das 50-jährige Gründungsjubiläum im Saal des Gasthofes Jobst. Zwei Jahre später, bei der Generalversammlung am 8. Dezember 1974, übernahm Engelbert Steiner aus Almau das Amt des Ersten Vorstands. Eine neue Gruppierung im Verein bildete sich im Jahr 1977, nämlich die Überseer Goaßlschnalzer, die sich zu einer der besten Schnalzergruppen im Chiemgau entwickeln sollte.

Eine besondere Ehrung wurde Hans Gerstl im Frühjahr 1980 zuteil. Er wurde für seine jahrzehntelange Mitarbeit als Gaukassier im Chiemgau-Alpenverband bei der Gauversammlung in Amerang zum Gau-Ehrenkassier ernannt.

Im Jahr 1983 übernahm der Trachtenverein Übersee zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte das Gautrachtenfest des Chiemgau-Alpenverbandes. War es 1956 noch der Regen gewesen, der die Zuschauer abhielt, so war es in diesem Jahr die große Hitze. Trotzdem erreichte man beim Festzug eine noch nie da gewesene Teilnehmerzahl unter den Trachtlern. Es war ein gelungenes Gaufest, das dem Verein einen erneuten Aufschwung verlieh.

Wegen ständiger Probleme mit Räumlichkeiten für Plattlerproben und Veranstaltungen des Vereins wurde insbesondere auf Bestreben des Ersten Vorstands Engelbert Steiner im Jahr 1992 mit dem Bau eines eigenen Trachtenheimes begonnen. Durch enorme Anstrengungen der Vereinsmitglieder und des ganzen Ortes konnte am 19. Juni 1994 das gelungene Bauwerk offiziell eingeweiht werden. Das anfangs nur für Proben und Sitzungen gedachte Trachtenheim wird heute, nach Aufgabe des Saales im Gasthof Jobst, für alle Vereinsveranstaltungen genutzt und ist zum Mittelpunkt des Vereinslebens geworden.



Im Jahr 2000 wurde das 80-jährige Bestehen in Form eines Gründungsfestes mit einem festlichen Gottesdienst und anschließendem Festzug zum Trachtenheim gefeiert.

Im Frühjahr 2002 erhielt der Verein in der Gauversammlung den Zuschlag für das Gaufest 2003. Um so mehr war es ein herber Schlag, als der langjährige Vorstand Engelbert Steiner sein Amt im Herbst aus gesundheitlichen Gründen niederlegte. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde Alois Huber zum neuen Vorstand gewählt. Engelbert Steiner wurde zum Dank für seine 27-jährige Tätigkeit als Erster Vorstand und seine aufopfernde Arbeit beim Bau des Trachtenheimes zum Ehrenvorstand ernannt. Mit tatkräftiger Unterstützung der Vereinsmitglieder und vieler freiwilliger Helfer aus der ganzen Gemeinde konnte man im Rekordsommer 2003 ein gelungenes, wenn auch sehr heißes Gaufest und eine unvergessene Festwoche feiern.



Volksmusikabend im Festzelt 2003

 


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