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Die je nach Frühlingsvollmond (1. Vollmondsonntag nach Frühlingsanfang ist der Ostersonntag) zwischen 28 und 63 Tage dauernde Zeit zwischen Hl. Drei Könige und Aschermittwoch wird im größten Teil des Bairischen als "Fasching" bezeichnet. Die Bezeichnung Fasching und die verwandten Begriffe „Fastnacht“ bzw. „Fasnacht“ sind im alemannischen und ostfränkischen Sprachraum sowie in Tirol und Teilen des westlichen Bayern gebräuchlich , im Gegensatz zum sonst üblichen Karneval.

Fasching und Fastenzeit diese Worte stehen in engen Zusammenhang mit der von der Kirche eingeführten Fastenzeit vor dem Osterfest steht, liegt natürlich auf der Hand. Die Kirche hatte auf dem Konzil von Nicäa 325 ihren Ostertermin auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgelegt und Papst Gregor der Große hat um 600 die vorgelagerte vierzigtätige Fastenzeit begründet.

Zählt man nun von Ostern aus 40 Tage und 40 Nächte zurück, ergibt sich als Beginn der Fastenzeit der Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern. Dieser 6. Sonntag vor Ostern erhielt im Hinblick auf die genannten 40 Tage den Namen "Dominicia Quadragesima" oder "Invocavit" - auch "Funkensonntag" genannt. Der Montag nach diesem Sonntag wurde infolgedessen früher oftmals als eigentliche "Fastnacht" begangen. Und diese Tradition lässt sich heute noch in Basel und in manchen Gemeinden des badischen Markgräflerlandes greifen, in denen der Termin der "alten Fastnacht" nicht aufgegeben wurde.

Das Wort "Fasching" geht sprachgeschichtlich auf die mittelhochdeutsche Prägung "vastschanc" zurück, das bald schon zu "vaschang" verkürzt worden ist. Das Wort bezeichnete den "Ausschank vor dem Fasten". Das Wort "Fas(t)nacht" kommt stattdessen von "vas(t)(en)nacht" und meinte zunächst allgemein die "Nacht vor dem Fasten".

„Heit geh ma Maschkerer“ ( Maschkerer – Maskierte) ist bei uns ein gängiger Ausdruck aber woher kommt das Maschkerergehen ?

Der Ursprung dieser närrischen Ausgelassenheit liegt in einem alten heidnischen Brauch. Unsere Urahnen wollten mit Lärm und grotesken Masken den Winter und die bösen Geister aus ihren Orten treiben. Bei der Vielzahl der sicherlich damals vorhandenen Bräuche , haben sich einige bis ins 21. Jahrhundert erhalten.



Der siegreiche Ochs Zwack Laufzua

Wann sind die Haupttage der Maschkerer?

Unsinniger Donnerstag :

Zunächst begann man die Faschingszeit - wohl auch aus theologischen Gründen, nämlich in Analogie zum Gründonnerstag als Tag der "Wiederaufnahme der Gefallenen" - bis auf den Donnerstag vor Aschermittwoch auszudehnen. Vielerorts werden an diesem Tag auch heute noch Narrenreiche errichtet, die mit dem Fastnachtsdienstag wieder verschwinden. An diesem Tag beginnen also allerorten die Narreteien. Er heißt deshalb auch "unsinniger" oder "unseliger Donnerstag" und wird gelegentlich - unter Verwendung des mittelhochdeutschen Wortes "gumpeln" für das Possenreißen bzw. "gumpen" für Hüpfen, Springen - auch als "gumpata", "gumpeliger" oder "gumpiger Donnerstag" bzw. im Bairischen "Pfin(g)sta" bezeichnet. (Da im Rheinland an diesem Tag auch vielerorts die "Weiberfastnacht" stattfand, bürgerte sich dort auch dieser Begriff für den ganzen Tag ein.) Dieser Donnerstag heißt im südwestdeutschen Raum zumeist "schmutziger Donnerstag", was sich nicht von "Schmutz", sondern von "Schmotz" herleitet, was soviel wie Schmalz bedeutete und sich auf die fetten oder fettgebackenen Speisen bezieht, die man an diesem Tag zu essen pflegt. Von daher hat sich in anderen Landschaften auch der Name "fetter" oder "feister" Donnerstag gehalten.

Franziska Hager weiß zu berichten: "Wir wissen auch noch, was es mit dem `Unsinnigen Pfingsta´ für eine Bedeutung hat. ... An diesem unsinnigen Pfingsta, den sie auch den `gumpaten Donnerstag´ nannten (gumpen = hupfen, springen), schlüpften die Dörfer in die Masken. Alt und jung ging Maschkera. Der Hanswurscht im Flecklgewand und mit der Saubladern am Stecken, war bei den Kindern `Moar´. Die Leute gingen als Einsiedler, Mausfallenhändler, Bärentreiber, andere kamen auf Stelzen. Es gab ein Wursthupfats, ein Sackhupfats, Schubkarrenrennen und das Ziegeltragen. Die fünf Finger der rechten Hand hielten den sechs Pfund schweren Stein, der nach unten hing. So musste die Rennbahn durchlaufen werden. Das war die Bedingung für den Glückslauf, den meist eine Stalldirn oder ein Senn gewannen, denn sie hatten vom Melken das meiste `Schmalz´ in den Fingern.
Am Unsinnigen Pfinsta war das `Fleischstehlen´ erlaubt. Fleisch gab es bei den meisten Bauern nur an Sonn- und Feiertagen. Fleisch war in einer Weise begehrt, wie wir es uns, die wir an seinen täglichen Genuß gewöhnt sind, nicht mehr vorzustellen vermögen. `A Unsinniga hat mir mei Fleisch gstohln!´ lamentierte an dem Donnerstag manche Bäuerin."

Und für Partenkirchen schreibt Paul Ernst Rattelmüller: "So richtig geht es aber erst am unsinnigen Donnerstag los, das ist der Donnerstag vor dem Aschermittwoch. Er ist besonders interessant in Mittenwald; dort gibt es nämlich das Schellenrühren, das allerdings nur stattfindet, wenn der unsinnige Donnerstag nicht auf den Agathentag fällt, auf den 5. Februar. Sonst wird es auf den Faschingssonntag verschoben. Zweimal, so erzählt man sich, wären die Mittenwalder Schellenrühren gegangen, als der unsinnige Donnerstag am Agathentag war, und zweimal sei an diesem Tag ein Feuer ausgebrochen. Ein großes Feuer, das gleich ein ganzes Viertel von Mittenwald in Schutt und Asche gelegt hat. ..."

Ähnliches berichtet Rattelmüller auch für Partenkirchen.

Faschingsfreitag :
Der Freitag in der Fastnacht, der nur vereinzelt bräuchlich begangen wird, weil nach vielen örtlichen Verboten seit dem 15. Jahrhundert (z.B. 1475 in München) sogar ein Edikt des Papstes Benedikt XIV. von 1748 eine Brauchübung an diesem Tage untersagte, trägt gelegentlich den Namen "beramiger", "bromiger" oder "Beramfreitag". Dieses Wort beruht auf dem mittelhochdeutschen Substantiv "râm", das "Ruß" bedeutet.

Tatsächlich wird er vielerorts eben auch "rußiger Freitag" genannt. Das Verbot konnte sich aber nie ganz durchsetzen.

So berichtet uns noch Josef Schlicht 1877:

"Der rußige Freitag (Freitag vor dem Faschingssonntag) bringt einen kernigen Hausjux ins Land. Nämlich, wer an diesem Tag in eine fremde ilmländische Stube tritt, ohne wohl auf seiner Hut zu sein, dem wird jählings eine Handvoll Pfannenruß auf die Backe gestrichen. Selbst die Mutter tut´s, besonders gern führt aber die erwachsene Tochter den Schabernack auf; indes die alleremsigsten in dem Stück sind natürlich die Wirtsdianln. Jede hat am rußigen Freitag eine schwarze Hand. Und sowie ein Bursch die Türschnalle Drückt, um in die Zechstube zu treten, im Pfennigsagen (so schnell) sitzt ihm auch von rückwärts angeflogen ein possierlicher Rußfleck im Gesicht. Den Gipfel, wenn der biedere Bursch in der Zipfelhaube, ohne es zu ahnen, seine angehexte, schwarze, neckende Liebesschmarre hinter der Nase nicht nur den ganzen Zechabend führt, sondern auch noch nach Hause trägt."

Nach Franziska Hager kam der Brauch aber dann doch immer mehr ab, so dass er Mitte der zwanziger Jahre kaum mehr geübt wurde

 

Faschingssamstag :

Ähnliches wie für den Faschingsdonnerstag gilt auch für den Samstag, der vielerorts als "schmalziger" oder "Schmalzsamstag" bekannt ist, weil an ihm die Schmalzküchlein, also die "Fastnachtskrapfen" gebacken wurden. Dieser Begriff ist schon 1462 für Augsburg und 1643 für Ulm belegt.

Die „fetten“ Tage begannen mit dem „schmalzigen Samstag“ . An diesem Tag wurden von der Bäuerin Unmengen von Schmalznudeln , Ausgezogene und Krapfen gebacken , daher auch dieser Beiname.

Folgender Reim ist dazu überliefert :

Lustig is de Fasenacht,
wenn mei Muatta Kiache bacht,
wenn sie aber koane bacht
pfeif i auf de Fasenacht.

Faschingssonntag :
In der Gegend um Augsburg und Ulm findet sich dann auch für den Sonntag der Begriff "Küchlesonntag".

Faschingsmontag :
Der Montag dagegen war in Süddeutschland bis ins 20. Jahrhundert nie ein besonderer Tag. Und selbst der "Rosenmontag" im Rheinland erhielt seinen Namen erst nach 1824, weil das Komitee, das seit 1824 die Umzüge des Kölner Karnevals vorbereitet, am Sonntag Laetare (Mittfasten) bzw. dem ihm folgenden Montag seine Generalversammlung abhielt. Und da dieser Sonntag Laetare seit dem 11. Jahrhundert "Rosensonntag" hieß, weil an diesem Tag der Papst mit einer goldenen Rose in der Hand auf den Altan des Laternpalastes trat, um durch sie, das Sinnbild Chrsiti in seiner Passion, auf die am darauffolgenden Sonntag anhebende Leidenswoche und das Auferstehungsfest vorauszuweisen, nannte sich das Komittee "Rosenmontagsgesellschaft".

Von dieser Gesellschaft aus übertrug sich nach 1830 der Begriff "Rosenmontag" auf den Montag, an dem die von der Gesellschaft vorbereiteten Umzüge stattfanden. Die ältere Bezeichnungen für diesen Montag sind daher auch "guter" oder "blauer" Montag, wohl weil am Nachmittag dieses Tages nicht gearbeitet wurde, im bairisch-fränkischen Raum seit dem 15. Jahrhundert aber auch "geiler Montag", was damals noch nichts anderes als "fröhlich" und "übermütig" bedeutete und nur am Rande auf sexuelle Freizügigkeit abhob.

Faschingsdienstag :
Der Faschingsdienstag wird regelmäßig als "Narrenfastnacht" bezeichnet, weil bei ihm von alters her besonders viele Narren auf den Straßen ihr Unwesen trieben, wie gesehen als "Laienfastnacht", analog zum Faschingsdonnerstag auch als "unsinniger Dienstag", im Unterschied zur "falschen" am Montag nach Quadragesima auch "rechte Fastnacht" bezeichnet.

Auf dem Lande hieß dieser Tag vereinzelt auch "Schnitzdienstag", weil das bäuerliche Hauptgericht an diesem Tag aus gedörrten Birnenschnitzen und Speck bestand.

Schließlich wurde in der Regel am Faschingdienstag auch die Faschingszeit beendet. Nur mancherorts führte man die Begräbniszeremonien für die Fastnacht erst am Aschermittwoch durch, was von der Geistlichkeit sehr kritisch betrachtet wurde. Im besagten Edikt des Papstes Benedikt XIV. von 1748 wird auch darauf Bezug genommen: Es sei unerträglich, dass hin und wieder Gläubige am Aschermittwoch in ihren Fastnachtskleidern, nur mit einem Überwurf angetan, das Aschenkreuz empfingen und anschließend zu Bett gingen, um erst einmal den Rausch des letzten Fastnachtstages auszuschlafen.

Der Aschermittwoch sei gewissermaßen das Tor zum Fasten, und wer den Eingang entweihe, sei nicht würdig, das Heiligtum zu betreten. Dass jemand in Karnevalskleidern zum Altar gehe, widerstreite der schuldigen Ehre der Kirche.


Versuche der Ausdehnung nach vorne und hinten

Es wurde wieder und wieder versucht, die "fetten" bzw. "tollen" Tage noch weiter auszudehnen. Noch im 18. Jahrhundert versuchte man zum Beispiel in Venedig, den Beginn des Karnevals soweit vorzuziehen, dass die Maskenherrschaft schließlich von Anfang Oktober bis Aschermittwoch mehr als fünf Monate betrug, nur unterbrochen von der Advents- und Weihnachtszeit. Und ähnliches dürfte hinter dem Ausspruch von Grimmelshausen stehen, der darauf verwies, dass das "biß Faßnacht währende Fressen und Saufen bei uns Teutschen um Martini einfällt". Tatsächlich war der Martinitag, der "Fasching" der Adventszeit, solange die Adventszeit als Fastenzeit gehalten wurde. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass der Martingstag, der 11. November, als Beginn des Faschings gehandelt wird, zumal er sich für die Schnapszahl 11.11. um 11.11 Uhr eignet. Allerdings gilt dies eben nur, wenn man die Adventszeit nicht als allzu strenge Fastenzeit nimmt, was bereits im 18. Jahrhundert immer mehr der Fall gewesen zu sein scheint.

Aber auch der Aschermittwoch als strenge Scheidelinie zwischen Faschings- und Fastenzeit wird immer wieder einmal zu durchbrechen versucht. Als 1978 die Fastnacht sehr früh einfiel, so dass die Zeit für die zwischen Epiphanie und Aschermittwoch üblichen Tanzveranstaltungen nicht ausreichte, entschloß sich die Direktion des "Bayerischen Hofes" in München, etwa 20 Bälle, darunter den "Magnolienball" der Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft, den Ball der Österreichisch-Bayerischen Gesellschaft sowie die närrischen Feste der Metzger, Zahnmediziner und einiger Großbetriebe, unter Beibehaltung der Faschingsdekoration in die Fastenzeit hinein fortzuführen. Dieses Vorhaben wurde sofort vom Erzbischöflichen Ordinariat als "reichlich närrisch" und "außerordentlich bedauerlich" beanstandet. Prälat Anton Maier trat in einer Presseerklärung entschlossen gegen eine Verlängerung des Faschings ein. Der Aschermittwoch sei nicht nur die geistliche Grenze des Faschings, er gebe ihm vielmehr erst seinen Sinn.

Den Fasching über diesen Tag hinaus zu verlängern, würde bedeuten, ihn aus seinem traditionellen und kulturellen Rahmen herauszunehmen. Deutlicher noch hob an Fastnacht 1978 selbst der damalige Münchener Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger hervor, der Fasching sei zwar kein kirchliches Fest im engeren Sinn, "aber doch nicht ohne den Festkalender der Kirche zu denken". Der Mensch bedürfe des "Wissens um den Rhythmus der Zeit", in dem alles seinen Platz habe, das Sinnliche wie das Geistige. Es sei daher "töricht", den Fasching verlängern zu wollen, "wenn Geschäfte und Terminkalender dazu raten", weil auch der Fasching durch die Herausnahme aus dem Jahreslauf seinen eigentlichen Sinn verliere. Ähnlich hartnäckig wie die Narren versuchte also die Kirche diesem Ansinnen nach "Verlängerung" immer wieder entgegenzusteuern. Die Kirche schwankte also in Bezug auf die Faschingsbräuche ständig zwischen Zustimmung und Ablehnung, Verständnis und Begrenzung.

 

Wetterregel:

Wie das Wetter in den Faschingstagen, mag es sein auch an den Ostertagen.

 

Text : Miche Huber
Quellen : Paul Ernst Rattelmüller, Franziska Hager, Albert Bichler, Rudolph Eisbrenner