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Caravaggio: Hl. Katharina von Alexandrien (1595-1596)

Der Name ‚Kathrein’ geht auf die Heilige Katharina zurück, deren Namenstag am 25. November ist. Die Hl. Katharina zählt zu den 14 Nothelfern, ihre Symbole ein zerbrochenes Rad und ein Schwert. Sie gilt als die Patronin der Wagner, Müller, Jungfrauen, Mädchen, Studenten, Schüler, Bibliothekare.

Der Volksmund spricht auch von den drei heiligen Madeln : Margareta (20. Juli) mit dem Wurm, Barbara (4. Dez.) mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl.

Der Kathreintanz bildet am letzten Sonntag vor dem 25. November den Abschluss der im Sinne der Volkskultur ‚traditionellen’ Tanzsaison, ganz nach dem Spruch „Kathrein stellt den Tanz ein“. Danach beginnt der Advent mit einer Fastenzeit als so genannte tanzfreie Zeit.

Bestimmte Tage oder Zeitabschnitte mit Tanzverboten hat es in vielen Kulturen gegeben. Tanzen galt oft als unsittlich, schädlich oder gar als Ausdruck des Teufels . Vereinzelt galten bestimmte Tänze mit engerem Körperkontakt bis ins 19. Jahrhundert als unschicklich und behördlich verboten. Bestimmte Tänze brachen bis in die Neuzeit hinein immer wieder öffentliche Tabus und waren somit Anstoß des gesellschaftlichen Sittlichkeitsempfindens.
Wichtige Beispiele sind der Tango oder noch in den 1950er Jahren der Rock'n Roll . Im Mittelalter war das Tanzen Christen zeitweise vollständig untersagt.
Später bezog sich das religiös bedingte Tanzverbot im christlichen Kulturkreis besonders auf den Freitag, später auf den Sonntag sowie auf die Karwoche, das auch Gesetzeskraft gewann.

Tanzverbot im Nationalsozialismus nach Kriegsbeginn

Dem „Ernst der Lage“ entsprechend, wurden in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland bereits kurz nach Beginn der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs im September 1939 öffentliche Tanzveranstaltungen untersagt. Das allgemeine Verbot musste jedoch gelockert und zeitweise ganz aufgehoben werden, weil die Wehrmachtsführung Tanzunterhaltungen für Soldaten als „kriegswichtig für die Kampfkraft“ einstufte. So wurde auch das per Erlass des Reichsinnenministers und SS-Führers Heinrich Himmler im April 1941 erneuerte allgemeine Tanzverbot nicht einheitlich befolgt. Strikt verboten waren Tanzveranstaltungen erst ab Februar 1943 nach der verlorenen Schlacht von Stalingrad mit dem Untergang der 6. Deutschen Armee. Der NS-Propagandist Walter May-Hermannstadt verteidigte das Verbot am 11. April 1943 in einem in regionalen Wochenzeitungen veröffentlichten Leitartikel: „Das Tanzverbot ist ein Ausdruck der Solidarität der Jugend mit der kämpfenden Front.“

„Wann darf im alten Bauernkalender getanzt werden ?“
Diese Frage stellten Franziska Hager und Hans Heyn 1973 in vier Dörfern des Landkreises Rosenheim Burschen und Mädchen zwischen 16 und 22 Jahren. Ale Befragten sind auf Höfen zu Hause. Alle wussten sie, in der Karwoche darf getanzt werden, und fast alle antworteten „Kathrein stellt den Tanz ein“. Es war auffalllend , dass sie alle Tanzverbote nannten, nicht aber die tanzfreien Zeiten.
Noch vor einer Generation, nämlich Anfang der dreißiger Jahre, waren der Jugend auf dem Dorf die Tanzzeiten so vertraut wie die Feiertage im Jahr oder die Jahreszeiten. Getanzt wurde im Bauernjahr von Dreikönig bis Faschingsdienstag, vom Ostermontag bis zu den Feldbittgängen und von Kirchweih bis Kathrein.
Dieser Kalender ist bis heute fast vergessen, die Zeiten, zu denen in keinem der Dörfer zwischen Salzach und Inn ein öffentlicher Tanz angeschlagen ist, sind auf wenige Tage im Jahr geschrumpft. Der größte Wandel hat sich bei den Tänzen selbst eingestellt. Die Volkstänze sind von den Tanzböden verschwunden, von den modernen verdrängt. Volkstanz hat nur noch dort eine Chance, wo er in Gruppen und Vereinen gepflegt wird.



"Chiemgauer Tanzfest" 2008 in Sachrang

Ein Preisplattler, den heute ein jeder Trachtler kennt, ist der „Häuslratz“.

Interessant ist seine Geschichte:

In der Nähe von Traunstein hauste ein Kautz in einer „Hiawan“, das heißt, er lebte in der Hütte mit Ratten und Mäusen zusammen, denen er allerlei Kunststücke beibrachte. Der Mann war leutscheu, fand aber anderseits einen solchen Spaß am Schuhplatteln, dass es ihn immer wieder zu den Tanzböden zog. Er tauchte auf, plattelte für sich und verschwand wieder.
Der Alte hatte, wie wir heute sagen, schon damals eine Art „ständige Begleiterin“. Sie lebte vom Lumpensammeln und vom Maskenverleih und ging jahraus jahrein Maschkera. Weil sie Franziska hieß, nannte sie die Leute die „Maschkernfranz“. Sie hatte Zugang zum Ratzenhäusl.

Die beiden waren im ganzen Chiemgau ein Begriff. Die Ratten und die Mäuse wurden die lange Zeit, da der Häuslratz mit der „Maschkernfranz“ unterwegs war, nicht gefüttert. Das Häusl verwandelte sich dann zur Ratzenburg. Es ist überliefert, dass das Pfeifen der Tiere draußen zu hören war.
„Wo ist denn heut`der Häuslratz ?“ fragten sich die Leute. „Der is halt bei der Maschkernfranz“, war die Antwort. Mit der Zeit war aus diesem Frage– und Antwort-Spiel eine stehende Redensart geworden. Dazu fand sich eine Melodie, und wie es bei Volksliedern oft üblich ist, kam „über Nacht“ dazu ein Tanz. Der schönste aller Schuplattler war vom Himmel gefallen. Seither wird im Chiemgau der „Häuslratz“ nach folgenden Text geplattelt:
„Wo ist denn heut der Häuslratz, Häuslratz, Häuslratz ? Der is halt bei der Maschkernfranz, bei der Maschkern, Maschkernfarnz, Franz Franz, Juchhu !“



Georg v. Kaufmann, der den Volkstanz im Chiemgau wiederbelebte

Der Tanzboden war immer schon eine wichtige Begnungsstätte um regionale Lebensfreude mit Gleichgesinnten zu teilen und um sich kennen zu lernen.

 

 

Wetterregeln :

Wie St. Kahtrein, wird`s Neujahr sein

Wie das Wetter an Kathrein, wird der nächste Hornung sein.

Um die Zeit von St. Kathrein winterts gern ein.

Ist an Kathrein das Wetter matt, kommt im Frühjahr spät das grüne Blatt.

 

Text : Miche Huber
Quellen : u.a. Franziska Hager

 


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