AktuellesGauverbandSachgebieteArchivKontakt
Sachgebiete

Den Süden des Chiemgaus prägen die Berge der Alpenkette. Die Schönheit unserer Landschaft wird aber nicht durch ein Einerlei aus nackten Felsen bestimmt , sondern sie erhält ihren Reiz gerade aus der Abwechslung, die sich aus dem Nebeneinander von ragenden Berggipfeln, schattigen Wäldern und grünen Almflächen ergibt.

Überall im Almgebiet begegnet uns das wichtigste Haustier des Menschen, das Rind. Seit der Besiedlung des Berglandes gehört das Rind zu der Landschaft, ja es half von Anfang an wohl mit, dass der Mensch überhaupt in dieser Landschaft sich ansiedeln und sesshaft machen konnte. So ist es selbstverständlich, dass nicht erst die einwandernden Bajuwaren das Rind mitbrachten, sondern dass schon die Römer und vor ihnen die Kelten das auf den Bergen wachsende Weidefutter für ihre Tiere nutzbar machten.

Flurbezeichnungen wie Tauron (keltoromanisches Wort für Rinderweide) weisen darauf hin, dass Almflächen der Rossalm seit ca. 2000 Jahren Rinderweide sind. Mit 1731m ist die Rossalm im Geigelsteingebiet die höchstgelegene bewirtschaftete bayerische Alm.


Rossalm


Seit wann unsere Vorfahren unsere Almen bewirtschafteten lässt sich nicht genau belegen. Es gilt aber als sicher, dass nicht nur der Bauer in den Talniederungen sich die Sommerweiden nutzbar machte, sondern dass vielerorts die Dauersiedlungen sich höher hinauf als heute schoben, wenn sie nicht gar zuerst oben angelegt wurden und erst später in die ursprüngliche oft versumpften Täler herunterwanderten. Er war daher froh, wenn er auf seinen Feldern nur das Winterfutter für seine Tiere gewinnen musste und wenn die Kühe und Jungtiere sich das Sommerfutter selber in den Wäldern und auf den Bergen holte.


Laubensteiner Almen / Frasdorf

Das Almleben, das im Frühsommer (Mai oder Juni) jedes Jahr beginnt, war zu keiner Zeit so romantisch und verlockend, wie es in Lieder besungen wurde. Es ist eine harte Arbeit, die die Sennerin ganz alleine auf der Alm zu leisten hat. Hinzu kommt die große Verantwortung, die sie für das Vieh während der Sommermonate zu tragen hat. Diesen Almbetrieb, zu dem ja zum Beaufsichtigen des Viehes, zum Melken der Kühe und zur Aufzucht der kleinen Kälber eine Arbeitskraft erforderlich war, konnte sich nicht jeder Bauer leisten. Die kleineren Bauern übten dagegen die Bergweide nach wie vor vom eigenen Hof aus, also ohne Aufsichtspersonal.

In Bezug auf ihre Lage teilen sich die Almen in Hoch – und Niederalmen, oder wie sie im Volksmund heißen, „Hoch - o. Niederläger, Vor- und Nachalmen“. Die Nachalmen oder Hochläger sind die wertvolleren. „Schneefluchten“ d.h. tiefer gelegene, meist durch einen Wald geschützte Weideplätze, wohin das Vieh getrieben wird, wenn auf den Hochalmen plötzlich Schnee fällt, sind seltener.



Irlbergalm mit Gederer Wand 1399m / Rottauer Almgebiet

Almbräuche


Hefteralm / Grassauer Almgebiet

Im Chiemgau und im Berchtesgadener Land bleibt der Auftrieb auf die Alm, in Oberbayern auch „Kaser“ genannt, ohne Fest und ist von der Außenwelt meist unbemerkt. Die dabei gewahrte Ruhe Erklärt sich großenteils aus der nicht immer von Bangen freier Erwartungen, was der Almsommer alles bringen wird. Vor allem wird darum gebetet, dass keine Krankheiten, Unfälle oder große Wetterschwierigkeiten dem Vieh Schaden antun möchten.

Die Nacht, welche dem Befahren der Alm vorgeht, heißt die „Grainnacht“ (vom Grainen) und die am vorhergehenden Tage gewonnene Milch die „Grainmilch“ wird an die Armen verschenkt. Die Benennung dieser Nacht mag wohl daher kommen, weil am Abend vor Auffahrt Sennerin und Hirt von ihren Bauern besonders streng auf ihre Obliegenheiten verwiesen werden, weil der Bauer mit ihnen „graint“.

Am St. Jakobstag ist der sogenannte „Alm Kirschta“ (Almkirchweih) Mitte des Almsommers.

Überliefert ist auch dass demjenigen Hirten der am Bartholomäustag (24. August) das Vieh am spätesten auf die Weide treibt, am Abend dieses Tages ein Schweinszagl (Schweif) auf den Kaser gesteckt. Es versammelt sich zu diesen Zweck Abends die Hüter und ziehen mit Kuhschellen, Peitschenknallen, Hornblasen und wunderlich bekränzt, einmal um jeden Kaser, dreimal um den des Alpherrn , und stecken dann unter dem Geschrei :“das ist der Schweinszangl“ denselben auf den Kaser des fälligen Hirten auf.

Nicht selten findet man auf weitsichtbaren Punkten in der Nähe von Almen, hohe Wetterkreuze, doch gewöhnlich tiefer als die Hütten stehend ; daher der heitere Glaube : „Über`m Wetterkreuz gibt`s koa Sünd“.

Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, heißt es für die Almleute, die Sennerin und den Senn, Abschied zu nehmen von der Alm. Der Termin, wann das Vieh ins Tal getrieben wird, ist regional unterschiedlich. Gewöhnlich fällt der Aufbruch von den Almweiden in den September, vorausgesetzt, das Wetter macht nicht einen früheren Abtrieb erforderlich. Um Michaeli (29. September) ist die Almzeit zu Ende.


Wenn der Almsommer glücklich verlaufen ist, wenn keinem Tier etwas zugestoßen ist und in der Familie des Bauern kein Unglück war, so ist der Almabtrieb ein Tag der Freude und des Dankes. Nach alten Brauch wird das Vieh „aufgekranzt“, das heißt die Köpfe der Tiere werden geschmückt. Die Sennerin ist schon lange vorher mit dem Herstellen von Schmuck für ihre Tiere beschäftigt .Besonders für die Leitkuh wird ein ganz besonders schöner „Almbuschen“ zusammengerichtet. Kronen, Kränze, Kreuze und alle möglichen Formen von Zierat, behangen mit bunten Bändern, sind dann als Kopfputz der Leittiere zu sehen.


Senner Otto Zaiser beim Almabtrieb in Schleching

Zum Schmuck der Tiere gehören auch die Glocken, die an einem breiten Lederriemen am Halse hängen.

Gewöhnlich tragen nur die schönsten und größten Kühe Glocken. Mit dem Geläut der Glocken sollte nach altem Volksglauben feindliche Dämonen abgewehrt werden, die die Tiere auf ihrem Weg ins Tal bedrohen.

Am Tag des Almabtriebs begibt sich die Familie des Bauern auf die Alm und hilft der Sennerin, das Vieh mit dem vorbereitem Kranzzeug zu schmücken, ein Vorgang, den die Tiere nur recht ungern über sich ergehen lassen. Ist alles für den Abtrieb vorbereitet und die Almhütte winterfest gemacht, wird mit einem Gebet gedankt und anschließend bricht die Sennerin ins Tal. Vorne geht die Leitkuh mit einem besonders schönen Kopfputz ,gefolgt von den übrigen Tieren. Ganz am Schluss kommt die Almerin, die aus Anlass des Festtages sich „fesch“ kleidet. Im Dorf unten angekommen, wird sie vom Bauern erwartet und führt das Vieh nicht ohne Stolz in den heimatlichen Stall.

Die Almwirtschaft ist und bleibt auch wie eh und je der Gesundbrunnen der Viehzucht.

In den letzten Jahren ist, entgegen dem allgemeinen Trend, ein überraschendes Interesse festzustellen, als Sennerin und Senn einen Sommer auf einer Alm zu verbringen. Mancherorts gibt es schon „Wartelisten“ von Almaspiranten.

Gäbe es keine Almwirtschaft würde sich das Bild unserer Heimat beträchtlich verändern. Almbauern sind wichtige Landschaftspfleger. Auch viele Bergfreunde und Urlaubsgäste würden es bedauern, wenn nach einer schönen Bergwanderung keine Alm zur Einkehr einladen würde.



Scharnitzalm-Senner und Preisrichterobmann vom Chiemgau-Alpenverband: Sepp Spiegelberger

Wetterregeln


Ist der September warm und klar,
so hoffen wir auf ein fruchtbar Jahr.

Septemberfleiß
zu ernten weiß.

Wenn im September viel Spinnen kriechen,
sie einen harten Winter riechen.

Septemberdonner prophezeit
vielen Schnee zur Weihnachtszeit.

Vor Michael sä mit halber Hand
dann aber streu mit ganzer Hand.

Fallen die Eicheln vor Michaeli ab,
so steigt der Sommer früh ins Grab.

Regen am Michaelstag
einen milden Winter bringen mag.

 

Text :      Miche Huber
Quellen : Heimatbuch des Landkreises Traunstein
              Joseph Friedrich Lentner / Bavaria – Süddeutscher Verlag
              Albert Bichler / Wie`s in Bayern ist    LUDWIG - Verlag