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Sonnwendfeuer des Trachtenverein „D Staffelstoana“ Bernau 2007

Sommersonnwende, die Sonne hat den höchsten Stand des Jahres erreicht. „Von Veitl bis Hanneskent, braucht d`Sunna bis Umawend.“ So beschreibt ein alter Bauernspruch die Sommersonnwende, denn vom St. Veitstag (Vitus, 15 Juni) an strebt die Sonne mit aller Kraft ihrem Höhepunkt zu.

Seit ältester Zeit wurden die längsten und kürzesten Nächte freudig begrüßt. In der Nacht zum 21. Juni, dem kalendarischen Sommerbeginn, wird nach alter, heidnischer Tradition der Sommer mit Sonnwendfeuern auf den Höhen begrüßt. Heutzutage finden diese alten Bräuche wieder mehr und mehr Beachtung. In ganz Bayern finden in diesem Zeitraum Sonnwendfeiern (oder auch Johannifeiern am 24. Juni) statt. Besonders beeindruckend sind die Feuer auf den Bergkuppen in den Bayerischen Alpen, wo auf den umliegenden Berggipfeln Feuer entzündet werden. Dem beliebten heidnischen Brauch versuchte die Kirche schon frühzeitig dadurch entgegenzuwirken, dass sie das Namensfest des Hl. Johannes des Täufers (24. Juni) mit dem Sonnwendfeuer in Verbindung brachte. So erklärt es sich auch, dass, das Sonnwendfeuer bei uns zum Johannifeuer geworden ist.

Der etwas in Vergessenheit geratene Brauch erfreut sich in den letzten Jahren wieder steigender Beliebtheit, vor allem durch die Bemühungen der Trachtenvereine und Heimatpfleger, die Jugend wieder zu begeistern für den Brauch an Sonnwend, an Johanni aber auch an Peter und Paul, Feuer zu brennen.

Wir kommen herein weit über`n Rain,
San unsa Buam acht oder neun,
Ihr Herr und Frauen, lasst`s euch grüaßn,
Es sollt`s uns an Arm voll Scheitl eischiaßn.
A Arm voll Scheitl is no net gnua,
Prügl und Bauschn a dazua.
Heiliger Florian, zünd uns`s Feuer an !
Heiliger Jakob, schenk uns an Hackstock !
Heiliger Veit, schenk uns a Scheit !
Heiliger Bartlmä, schick uns grad heit koan Schnee !
Heiliger Veit schenk uns a Scheit,
Heiliger Hans, a recht a langs,
Heiliger Schix, a recht a langs,
Heiliger Florian, kennt`s Feuer an.
Gebt`s uns koa Steuer net,
Lebts ös grad a Jahr mehr sched.
Sunnwendfeua, Sunnwendfeuer,
Der Howan, der is teua !
Wer koa Holz zum Feuer gibt,
Erreicht das ewige Leben nicht.

Mit solchen Verseln gingen die Holzbettler einst vor Sonnwend im Chiemgau von Haus zu Haus.

Die Verse sind vergessen, die Feuer brennen wie eh und je.

Die Sonnwendfeuer zählen bei uns immer noch zu den sommerlichen Bräuchen, die am Abend die Leute drunten im Tal vor die Häuser und aus den Städten locken. Früher wanderte um die Zeit des Gebetläutens das ganze Dorf zu dem auf einem Hügel errichteten Scheiterhaufen. Mit dem Glockenschlag wurde der Holzstoß entzündet, wenn irgendmöglich mit Karsamstagkohle. Vor hundertfünfzig Jahren gingen die Leute rosenkranzbetend um das Feuer.

Es war schon eine Art von Haberfeldtreiben, eine bäuerliche Selbstjustiz, wenn bis zur vorigen Jahrhundertwende im Schein des Feuers ein Schandgericht gehalten wurden. Der faule Knecht, die schlampige Dirn, der verschwenderische Bauer und die geizige Bäuerin, der nichtsnutzige Loder und seine „guattüchane Dirn“ wurden in gereimter Rede „angebannt“. Mancher kam darum gar nicht zum Sonnwendfeuer, und manch einer war froh, wenn die Litanei ihr End hatte. Dann kamen die Dirndl, holten versteckt unter dem „Fürta“ ein Kranzl hervor. Das „Wunderkranzl“ flog ins Feuer, wobei keine sagte, was sie dachte, aber jeder hatte einen heißen Wunsch. Diesen Brauch kennt man nicht mehr. Aber der „Hansl“ eine lebensgroße mit Stroh ausgestopfte Puppe, steckt noch auf einer Stange über manchem Johannisfeuer. Der „Hansl“ ist ein Winterdämon, die „Gretl“ eine Wetterhex oder dem Winter seine Großmutter.

Wenn der Spuk zusammengebracht und ins Feuer fiel, der Winter ganz ausgetrieben war und das Feuer alles Böse verzehrt hatte, begann oder beginnt heute noch immer das Feuerspringen.

Übern Kopf, untern Kopf,
Tua i mei Hüatl schwinga,
Deandl, wannst mi gern willst ham,
Tuast mit mir durchs Feuer springa !

Es war früher ein ungeschriebenes Gesetz, dass das Dirndl, mit dem der Bursch Hand in Hand über die heiße Glut sprang, zumindest für ein Jahr „sein Dirndl“ war. Ein Paar folgte dem anderen. Eine grobe Hand schob sich in eine zarte und umspannte sie zum Anlauf. Mit einem festen Griff reißt der Bursch auch heute noch das scheinbar widerstrebende Dirndl, um die Hüfte fassend, hoch und über das Feuer hinweg.

Das „Feuerjucken“ war ein Glückspiel. Es war Herausforderung.

Der Bursch, dem dreimal der Sprung gelang ohne versenkt oder angebrannt zu werden , galt ein Jahr gefeit gegen Fieber und Kreuzweh. Das Dirndl aber, das vor dem Absprung ausbrach, galt als „ungesengt“ und wurde von seinem Begleiter oft nicht mehr „angebrannt“, das heißt, er ließ es stehen.

Johanni war eine Freinacht, eine der großen Geisternächte im Jahr. Alle Überirdischen gingen an diesem Tag um : Hex und die Drud, das Irrlicht und der Weiz. Tod und Teufel schlichen nach Mitternacht um Schlafkammer und Stall, um zum Schaden von Mensch und Vieh einen Einschlupf zu suchen. Darum standen schon vor dem Gebetsläuten zwei Besen übers Kreuz vor der Stalltür. Die Hex und die Drud sollten sich im Reisig verfangen. Ein Bauschen wirres Stroh lag an derselben Stelle. Die geister mussten jeden der kleinen Halme zählen. Ehe sie diese Aufgabe hinter sich gebrachte hatte, war auch die Freinacht vorbei und damit ihre Macht.Die nächtliche Feuerstatt zeichnete am nächsten Morgen nur noch der Brandfleck im Gras. Alle Asche, Kohle und Scheit hatten die Johannisfeuerbesucher mit nach Hause genommen. Die Asche wurde über die Felder gestreut, sie sollet Hagel und Ungeziefer fernhalten. Die Holzkohlen grub der Bauer in den Acker. Sonnwendkohle bekam auch der Krautacker zum Schutz vor Krautwürmern. Sonnwendsteckerl steckten am nächsten Tag in den Feldern, und die Feuerscheite wanderten wiederum als eine Art Talisman hinter die Herdstatt.

Es stimmt, die Leute früherer Zeit hatten weniger Vergnügen und Zerstreuung unserer Art, schließlich fehlte das ganze Angebot, das mit dem Einzug der Technik kam. Ihr Erleben schöpften sie aus andern Quellen. Das Brauchtum war eine. Es war für sie eine Notwendigkeit, die nicht zuletzt ihrem Schutzbedürfnis entsprach.



Sonnwendfeuer des Trachtenverein „D Staffelstoana“ Bernau 2007

Wetterregel


Nach St. Veit ändert sich die Zeit, alles geht auf die andere Seit.

St. Veit hat längsten Tag, die hl. Lucia macht`s mit der Nacht ihm nach.

Wer dem Veit nicht traut, kriegt kein Kraut.

Von St. Johann läuft die Sonne winteran.

Vor Johanni bitt um Regen, nachher kommt er ungelegen.

Johanni gibt dem Obst das Salz, Jakobi das Schmalz.

Regen an Johannistag, nasse Ernt man erwarten mag.

 

Text: Miche Huber, Tel.: 08641 / 1681

 



Sonnwendfeuer des Trachtenverein „D Staffelstoana“ Bernau 2007

 


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